230 Jahre alte Zeichnungen aus Palmyra von Louis-François Cassas

| 31. März 2016 | Kommentieren
© Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln Zeichnung aus Palmyra von Louis François Cassas: Bogentor, Längsschnitt, Feder in Schwarz, laviert

© Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln
Zeichnung aus Palmyra von Louis François Cassas: Bogentor, Längsschnitt, Feder in Schwarz, laviert

Palmyra – Was bleibt?

Von Rüdiger Dietrich

Köln – Bis zum 08. Mai diesen Jahres findet im Wallraf-Richartz-Museum in Köln die bemerkenswerte und hochaktuelle Ausstellung „Palmyra – Was bleibt?“ statt. Die einzigartigen Monumente der antiken Oasen- und heutigen Ruinenstadt Palmyra im heutigen Gouvernement Homs in Syrien faszinieren die Menschheit seit Jahrhunderten, weshalb sich auch Reisende wie Wissenschaftler nach Syrien kamen, um die durch Römer, Griechen und Perser geprägte Kultur zu bewundern. Zumindest solange, bis das IS-Terrorregime große Teile des Weltkulturerbes im islamistischen Wahn zerstörte. Rund 230 Jahre zuvor – genau 1785 – führte den französischen Künstler und Architekten Louis-François Cassas  eine knapp zwei Jahre andauernde Reise in die antike Handelsstadt, die schon zur damaligen Zeit als Sehnsuchtsort eines antikenschwärmerischen Publikums galt, zu dem auch keine Geringeren als Hölderlin und Goethe zählten. Penibel vermaß und zeichnete Cassas die Bauten, um Anregungen für die klassizistischen Architekten in Europa mit heimzubringen. Louis-François Cassas Arbeiten spiegeln noch heute auf atemraubende Weise die einstige Schönheit und Faszination der antiken Monumente wider.

In Köln sind nun neben rund 40 Zeichnungen Cassas und einem alten aufgeschlagenen Buch mit einer Cassas-Illustration auch ein Landschaftsmodell mit wechselnden Projektionen von Karten und Luftaufnahmen zu sehen, die  den drastischen Wandel Palmyras im Laufe der Zeit einschließlich der Zerstörungen durch den „IS“ vor Augen führen. Gerade angesichts der Zerstörungen dieser kulturverachtenden islamistischen Terrormiliz gewinnen die 230 Jahre alten Zeichnungen als Originalquellen einer unwiderruflich für die Menschheit verlorengegangenen Kunst- und Kulturepoche an dokumentarischem Wert. Aufgrund nicht vorhandener Voraussetzungen technischer Art und zu geringer personeller Kapazitäten gelangte bislang ein Konvolut von 36 Zeichnungen Cassas´ nicht zur Restauration. Nun konnten durch die finanzielle Förderung der Gerda-Henkel-Stiftung besagte Zeichnungen rechtzeitig zur Ausstellung konservatorisch bearbeitet werden, weshalb diese auch erstmals im öffentlichen Rahmen zu sehen sind.

Einem Brief aus dem Jahre 1787 von Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein kann man entnehmen, welche Wertschätzung er Cassas Arbeiten entgegenbrachte, wenn es darin heißt: „In einigen Tagen werde ich die Arbeiten eines geschickten Architekten sehen, der selbst in Palmyra war und die Gegenstände mit großem Verstand und Geschmack gezeichnet hat.“ In einem späteren Brief ergänzte der Altmeister aus Weimar: „Die Sachen des Cassas sind außerordentlich schön. Ich habe ihm manches in Gedanken gestohlen, das ich euch mitbringen will.“ Die Kabinettausstellung des  Leiters der Graphikabteilung des Kölner Wallraf-Museums, Thomas Ketelsen, kann sowohl als eine Trauerarbeit in Bildern, als auch Triumph einer Kunst der Reproduktion gegenüber dem IS, wie dies der Kunsthistoriker Horst Bredekamp ausdrückte, betrachtet werden. Auch war schon von einer Ausstellung zwischen ferner Erinnerung und leiser Hoffnung die Rede, nachdem die Diskussion um den Wiederaufbau des Weltkulturerbes bereits im Gange ist. Zur Ausstellung ist ein 132-seitiger Katalog zum Preis von 14,- € erschienen, der im Museumsshop erhältlich ist sowie zudem im C.H. Beck Verlag ein Essay „Palmyra – Requiem für eine Stadt“ von Paul Veyne erschien.

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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