AfD leidet unter massiven Personalquerelen

| 14. Juni 2016 | Kommentieren

Kritik an AfD-Chefin Frauke Petry

Frauke Petry, Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Frauke Petry, Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Von Torsten Müller

Berlin/Stuttgart – Wenn es in der AfD eine Konstante gibt, dann ist es ihre Zerstrittenheit. Programmatisch hat sie schon mehrere Schwenks vorgenommen, sowohl in der Frage der Euro-Krise als auch in der Bewältigung des Asylzustroms hat sie bisher keine klare Linie an den Tag gelegt.

Aktuell stehen mehrere Führungspersonen der AfD unter erheblichem Druck. Der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende Alexander Gauland erntete heftige Kritik wegen seiner Äußerung, die Leute würden einen Boateng nicht als Nachbar haben wollen. Im Anschluss ruderte er zurück und erklärte, nicht gewusst zu haben, dass der Nationalspieler Jerome Boateng farbig ist. Wenige Tage später bezeichnete er Polizisten als „Knallchargen“. Auch das brachte ihm massive Kritik ein.

Der Bundessprecher der AfD, Jörg Meuthen, hat seine Stellung in der Partei selbst geschwächt, indem er die Abstimmung der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion über den Ausschluss des Abgeordneten Wolfgang Gedeon, dem Antisemitismus vorgeworfen wird, mit seinem politischen Schicksal verknüpft hat. Meuthen dazu wörtlich: „Ich dulde keinen Antisemitismus in unserer Partei und unserer Fraktion. Einige Äußerungen von Wolfang Gedeon sind nach meiner Überzeugung antisemitisch. Wenn meine Fraktion mir hier nicht folgt, muss und werde ich den Fraktionsvorsitz niederlegen und die Fraktion verlassen.“ Sollte der Ausschluss Gedeons keine Mehrheit finden, würde Meuthen seine einflussreiche Position als Fraktionsvorsitzender aufgeben müssen oder, falls er einen Rückzieher machen sollte, seine Glaubwürdigkeit komplett verlieren.

Auch AfD-Chefin Frauke Petry wird wieder einmal heftig kritisiert. Nachdem ihr bereits mehrfach ein eigensinniger Führungsstil vorgeworfen wurde, haben sich nun die beiden AfD-Vorstandsmitglieder Alice Weidel und Georg Pazderski mit der Veröffentlichung eines Strategiepapiers gegen Petry gewandt. Beide beklagten nach dem öffentlichkeitswirksamen Treffen Petrys mit dem Vorsitzenden der FPÖ, Heinz-Christian Strache, „Einzelaktionen“ und „Eigenprofilierung Einzelner zu Lasten des Bundesvorstandes“.

Petry reagierte ihrerseits nun mit einem wütenden Rundschreiben, in der sie deutlich machte, dass „einzelne AfD-Vertreter sich entscheiden müssen, ob sie sich für einen Erfolg der AfD einreihen möchten“. Dieses Verhalten schade der AfD insgesamt und stelle „eine ernste Fußfessel für die bevorstehenden Wahlkämpfe dar“.

Die AfD bekommt ihre Personalprobleme nicht in den Griff, sie wirkt als zerstrittener Haufen, was ihr nicht nur bei den anstehenden Wahlen, sondern auch bei der inhaltlichen Profilierung erheblich schaden könnte.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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