Al-Jazeera: Lügenpresse auf arabisch?

| 28. April 2016 | Kommentieren
Das Al-Jazeera Gebäude in Doha (Katar), Foto: Giorgio Montersino

Das Al-Jazeera Gebäude in Doha (Katar), Foto: Giorgio Montersino

Rausschmiß aus dem Irak

Von Ruedi Strese

Bagdad – Der Irak hat dem von Katar aus betriebenen Nachrichtennetz Al-Jazeera die Lizenz entzogen und seine Büros in Bagdad geschlossen. Der Vorwurf lautet, der Sender habe eine sektiererische Agenda verfolgt und die offiziellen Richtlinien der irakischen Regierung mißachtet. Auch die Anschuldigung der Anstachelung zur Gewalt war gefallen. Damit schließt der Irak als drittes arabisches Land seine Pfoten für Al-Jazeera.

Der Sender zeigte sich überrascht: „Al-Jazeera ist in seiner Berichterstattung zu den gegenwärtigen Angelegenheiten im Irak seinen redaktionellen Prinzipien verpflichtet. Es hält sich in Berichterstattung und Programmgestaltung an seinen ethischen Code und an die höchsten globalen Standards des Professionalismus und hat dies seit seiner Entstehung getan.“
Zuvor hatten bereits die Regierungen Syriens und Ägyptens den Sender der absichtlich falschen Berichterstattung und der Einmischung in innere Angelegenheiten bezichtigt. Im Jahr 2013 wurde dem Sender von anderen Journalisten des Nahen Ostens die Verfälschung der Berichte über Ägpten zugunsten des gestürzten Präsidenten Morsi und der Muslimbruderschaft vorgeworfen.

Während des Syrienkonfliktes haben Journalisten von Al-Jazeera  mehrfach illegal syrisches Gebiet betreten und im Sinne Katars berichtet, welches die islamistischen Terroristen gegen die Regierung von Bashar al-Assad unterstützt. Einem ehemaligen Korrespondenten des Senders zufolge sollen dessen Mitarbeiter die „Rebellen“ in Syrien sogar unmittelbar unterstützt haben, indem sie diese mit Satellitentelefonen ausrüsteten.

Al-Jazeera war 1996 vom Herrscherhaus Katars in Gestalt des Emirs Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani gegründet worden, nachdem der Gemeinschaftssender des britischen BBC und des saudischen Medienkonzerns Orbit wegen Zensurforderungen der saudischen Regierung den Betrieb eingestellt hatte; Al-Jazeera übernahm in Folge eine Reihe der entlassenen BBC-Mitarbeiter und kann somit als britisch-katarische Kooperation gelten.

Besonders im Zusammenhang mit den unter Verweis auf den 11. September 2001 geführten Angriffskriegen gegen Afghanistan und den Irak konnte sich Al-Jazeera als kritische Gegenstimme zur westlichen Berichterstattung in der arabischen Welt etablieren.

Dies änderte sich jedoch, als der Westen begann, im Rahmen des „arabischen Frühligs“ radikale Sunniten, Moslembrüder und Wahhabiten bzw. Salafisten, gegen mehr oder weniger säkulare Regierungen (in Libyen, Ägypten, Tunesien und Syrien) und Schiiten zu unterstützen, womit sich die westliche Agenda nun mit jener des gleichfalls radikal sunnitischen (wahhabitischen) Katar deckte.

Im Irak selbst war nach dem Sturz des laizistisch-sunnitischen Nationalisten Saddam Hussein mit Unterstützung des Westens eine schiitische Regierung an die Macht gekommen, welche allerdings ihrerseits vor mehreren Jahren wegen ihrer Nähe zum Iran ins Fadenkreuz der zur Neuordnung des Nahen Ostens und Nordafrikas geschlossenen amerikanisch-israelisch-sunnitischen Allianz geraten ist und wie Syrien schwer unter dem Terror des „Islamischen Staates“ zu leiden hat.

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Kategorie: Allgemein, Außenpolitik

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