Altersarmut steigt dramatisch an

| 28. Juni 2017 | Kommentieren

Neues Armutszeugnis

Berlin – Neue Berechnungen weisen auf eine alarmierende Entwicklung hin. Wie Zahlen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben, wird ab dem Jahr 2036 jeder fünfte Neurentner von Altersarmut bedroht sein. Die Armutsquote dieser Altersgruppe wird somit von 16 auf 20 Prozent steigen.

Am häufigsten von Altersarmut betroffen sind alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose. Weit mehr als jede vierte Frau wird ab dem Jahr 2036 von Altersarmut betroffen sein. Die Hauptursachen für das Anwachsen der Armutsgefährdung sind unterbrochene Erwerbsbiographien und die Ausweitung des Niedriglohnsektors. Desweiteren sinkt das Rentenniveau für alle Erwerbstätigen aufgrund der rentenrechtlichen Veränderungen der vergangen Jahre.

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart de Geus, mahnte nun dringende Reformen an: „Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Um das Alterssicherungssystem zukunftsfest zu gestalten, müssen wir es heute an die veränderten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt anpassen.“

Auch die Bundesregierung wies in ihrem Alterssicherungsbericht bereits darauf hin, dass Altersarmut nur verhindert werden könne, wenn die Menschen mehr privat für das Alter vorsorgen. Wie die Menschen dies angesichts von Niedrigzinsen bewerkstelligen sollen, bleibt allerdings das Geheimnis der Bundesregierung. Der Autor der Bertelsmann-Studie, Christof Schiller, hält private Vorsorgen ebenso nicht für ausreichend und fordert stattdessen die bessere Integration der Risikogruppen in den Arbeitsmarkt.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, ergänzt dazu: „Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung macht erneut deutlich, wie groß der Handlungsbedarf beim Thema Altersarmut ist. Diese Tatsache kann auch die CDU nicht länger ignorieren.“

Das Nichtstun der Bundesregierung in Sachen Altersarmut sei laut Annelie Buntenbach (DGB) ein Irrweg: „Die Zahlen zeigen, die Bundeskanzlerin irrt, wenn sie meint, man müsse bis 2030 nichts tun und könne notwendige Entscheidungen mit einer Rentenkommission auf die lange Bank schieben.“ Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, sprach mit Blick auf die katastrophale Rentenpolitik von einer „Lawine der Altersarmut“.

Torsten Müller

Stichworte: , , , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Politik

Kommentar schreiben