Armut in Deutschland auf neuem Rekordniveau

| 4. März 2017 | Kommentieren

Erneuter Anstieg der Armut

Berlin – Laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband ist die Armut in Deutschland auf einen neuen Höchststand geklettert. Die Armutsquote liegt aktuell bei 15,7 Prozent, etwa 12,9 Millionen Menschen in Deutschland gelten als arm. Die Armutsquote ist somit in den vergangenen zwölf Jahren um einen Prozentpunkt gestiegen.

Dazu sagte der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Ulrich Schneider: „Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich schon lange nicht mehr in einem Sinken der Armut nieder.“ Schneider dazu weiter: „Wir haben es wieder mit einem zunehmenden Trend der Armut zu tun.“ Sowohl der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands als auch die zunehmenden Beschäftigungszahlen schlagen sich nicht in einem geringeren Armutsrisiko nieder.

Berlin und das Ruhrgebiet weisen eine besonders hohe Armutsquote auf. Nur in vier Bundesländern – Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und im Saarland – konnte die Armutsquote in den letzten Jahren gesenkt werden, auch wenn sie dort weiterhin über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Besonders häufig von Armut betroffen sind kinderreiche Familien (25,2 Prozent), Arbeitslose (59 Prozent), Alleinerziehende und immer öfter auch Rentner. Altersarmut könnte in der nahen Zukunft zu einem Massenphänomen werden. So ist die Armutsquote bei Rentnern in den vergangenen drei Jahren von 15,6 auf 15,9 Prozent gestiegen. Auch Menschen mit geringer Qualifikation leben oft in Armut – ihre Armutsquote liegt bei 31,5 Prozent.

Man geht von Armut aus, wenn eine Person weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens verdient.

Fast jedes fünfte Kind lebt in Armut (19 Prozent), das Armutsrisiko bei Alleinerziehenden liegt bei 44 Prozent.

Kritiker der statistischen Armutserhebung bemängeln, dass die Orientierung am Durchschnittseinkommen die tatsächliche Armut verzerre, die herrschenden Zustände in überzogener Form skandalisieren und „Abstiegsängste in der Mittelschicht“ schüre. Das will Schneider so nicht stehen lassen: „Man ist in diesem reichen Deutschland nicht erst dann arm, wenn man unter Brücken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss. Armut beginnt nicht erst dann, wenn Menschen verelenden.“

Von Torsten Müller

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Kategorie: Allgemein, Politik

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