BaFin-Präsident Felix Hufeld gegen Provisionsverbot!

| 31. März 2016 | Kommentieren
BaFin-Präsident Felix Hufeld © frank-beer.com / BaFin

BaFin-Präsident Felix Hufeld
© frank-beer.com / BaFin

Quo vadis Finanzmarktrichtlinie?

Von Rüdiger Dietrich

Berlin/Frankfurt – Immer wieder taucht das Thema eines Provisionsverbots bei der Anlageberatung in der öffentlichen Debatte auf, zumeist von Verbraucherschützern ist Spiel gebracht. Und unbestritten lassen sich sowohl vor, als auch Nachteile anbringen, weshalb eine eindeutige Entscheidung vermutlich auch nicht so einfach ist, als auf den ersten Blick vermutet. Großbritannien beispielsweise entschied sich Anfang 2013 dafür, ein striktes Provisionsverbot zu erlassen. Die Kunden haben seither für die erhaltene Beratungsleistung ein Honorar zu entrichten. Allerdings hat dort inzwischen das Provisionsverbot dazu geführt, dass insbesondere die Mehrheit der weniger vermögenden Briten weniger Geld anlegen als zuvor, obgleich doch gerade diese Klientel im Umfeld der draghi´schen EZB-Politik niedriger Zinsen mit Blick auf ihre Altersvorsorge die Geldanlage nicht zur Gänze außer Acht lassen sollten. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, sprach sich für Deutschland aktuell gegen ein Provisionsverbot aus.

„Ich halte überhaupt nichts davon, den Menschen vorzuschreiben, wie sie Produkte erwerben sollen und wie sie dafür zu bezahlen haben, sondern ich bin ein großer Anhänger der gleichberechtigten Existenz von Provisions- und Honorarberatung“, lässt sich der BaFin-Chef zitieren und machte vielmehr deutlich, dass es viel wichtiger sei, unabhängig von der Vergütungsform in beiden Bereichen transparent zu agieren. Darüber hinaus müssten Vertriebswege darauf ausgerichtet sein, die Wertpapierkultur in Deutschland zu stärken. Einer Entwicklung des Beratungsprotokolls hin zu einer Geeignetheitsserklärung, die individuelle Bestandteile der Beratung aufweist, wie kundenabgestimmte Präferenzen und Anlageziele, kann Hufeld etwas abgewinnen, da die BaFin-Aufsichtspraxis darauf abzielt, dass die Protokolle auch die konkrete Beratungssituation widerspiegeln. Im Januar keimte auch in Großbritannien die Diskussion um das gänzliche Provisionsverbot wieder auf und inzwischen prüft die britische Finanzaufsicht Financial Conduct Authority (FCA), ob Fondsgesellschaften für den Verkauf von bestimmten Anlageprodukten unter Umständen wieder Provisionen an Finanzberater zahlen dürfen.

In ganz Deutschland wurde mit dem § 34h GewO gesondert der Beruf des „Honorar-Finanzanlagenberaters“ eingeführt, jedoch waren bis Mitte 2015 nur etwa 100 Honorar-Finanzanlagenberater registriert. Grund dafür mag sein, dass Berater gemäß § 34f flexibler sind, da sie Rechnungen stellen, als auch auf Provisionsbasis beraten können, oder das Honorar mit der Bestandsprovision verrechnen, wodurch für den Anleger zudem eine geringere Mehrwertsteuer anfällt. Ungeachtet dessen ergab das Ergebnis einer NFS Netfonds-Studie „Servicemonitor Finanzen“ Ende vergangenen Jahres, dass 95 % der deutschen Anleger Wert auf die Unabhängigkeit ihres Beraters legen, der nicht auf nur bestimmte Anbieter eingeschränkt sein solle. Demzufolge würden auch etwa 60 % der Kunden für unabhängige und kompetente Finanzberatung eine Honorarforderung akzeptieren und 84 % verlangen Transparenz, von welchem Unternehmen der Berater Provisionen erhält. 97 % legen Wert auf individuell zugeschnittene Beratung, was automatisierte Modelle in den Hintergrund drängen könnte. Weiterhin wesentlich erscheint die Kontinuität eines festen Ansprechpartners und dessen Erreichbarkeit. Bezüglich der gängigen Vergütungstarife in der Branche darf man sich an Stundensätzen um die 150,- € bzw. einer Jahresgebühr von etwa einen Prozent des verwalteten Vermögens orientieren. Im Rahmen all dessen wird die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFid II noch für einige Diskussion sorgen, allein schon deshalb, weil die planmäßige Umsetzung in nationales Recht aus dem zeitlichen Fahrplan fallen dürfte, nachdem die EU-Kommission erst unlängst die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA aufforderte, die Regeln für den Handel mit Anleihen im Rahmen der Richtlinie neu zu formulieren.

Stichworte: , , , , , , , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Finanzen

Kommentar schreiben