Bankentagung in Frankfurt greift EZB-Politik scharf an!

| 31. August 2016 | Kommentieren

Niedrigzinspolitik darf kein Dauerzustand sein!

Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Foto: ArcCan / (CC BY-SA 3.0)

Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.
Foto: ArcCan / (CC BY-SA 3.0)

Von Rüdiger Dietrich

Frankfurt a. M. – Bankaktien erreichen Tiefstände, positive Medienberichte über die Deutsche Bank liegen lange zurück und italienische Banken drohen der Euro-Zone angesichts ihrer faulen Kredite ein neues Krisenszenario zu bescheren. Hinzukommen Unsicherheiten über die Bedeutung der wichtigsten Finanzplätze nach dem beschlossenen Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die Europäische Zentralbank (EZB) kennt zu allem nur ein einziges Rezept, die Niedrig- bzw. Nullzinspolitik. Unter dieser finanzpolitischen und kreditwirtschaftlichen Großwetterlage tagte in Frankfurt am Main die Tagung „Banken im Umbruch“. Die Bestandsaufnahme der Tagung fällt nüchtern bzw. ernüchternd aus und wenn von einem ausgehenden Signal gesprochen werden darf, dann dass ein Ende der derzeitigen EZB-Politik erforderlich ist. Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, verwies auf die angespannte Ertragslage der europäischen Banken. Die Zinserträge als wichtigste Ertragssäule der Banken drohe durch die EZB-Negativzinspolitik immer weiter zu erodieren.

Das gegenwärtige zinspolitische Umfeld beeinträchtigt auf Dauer die Banken nicht unerheblich darin, ihre Schlüsselrolle für die Wirtschaft weiterhin zu erfüllen, wie es Kemmer formulierte. Zwar müssten auch die Banken selbst ihren Beitrag leisten, indem sie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und ihre Geschäftsmodelle anpassen, doch seien darüber hinaus seitens der Wirtschaftspolitik wachstumsfreundliche Umfeldbedingungen wichtig. Weiter machte Kemmer in Richtung EZB deutlich, dass das Operieren im gegenwärtigen Krisenmodus kein Dauerzustand sein könne. Die wenig hilfreiche Ankündigung der EZB, die Leitzinsen für sehr lange Zeit auf dem aktuellen Niveau zu halten oder sogar noch weiter zu senken, schürt aus Sicht des Bankenverbandes vielmehr einen Konjunkturpessimismus anstatt die Nachfrage zu stärken. Dies trüge dazu bei, dass Investoren weiter abwarten und Wirtschaftsreformen verschleppt würden.

Mit Blick auf die Notwendigkeit gesunder Banken auf Basis akzeptabler Ertragsperspektiven zur Finanzierung von Wirtschaft, Investitionen und Wachstum seien laut Michael Kemmer ausgerechnet die gesunden und liquiden Banken besonders stark von den Negativzinsen betroffen. Auch mit Verweis auf das Brexit-Referendum ergebe die bereits angekündigte, weitere geldpolitische Lockerung der EZB bei wahrscheinlich nur geringen Wachstumseinbußen keinen Sinn. Im Gegenteil: „Die Risiken für die Finanzstabilität nehmen angesichts von Null- und Minuszinsen zu und weltweit droht ein durch die Geldpolitik kaschierter Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben wird“, so Kemmer.

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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