Bayer greift nach Gentech-Konzern Monsanto

| 23. Mai 2016 | Kommentieren

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Von Torsten Müller

Leverkusen – Der deutsche Aktienindex DAX hat am Donnerstag herbe Verluste einfahren müssen, weil vor allem die Furcht vor einer Leitzinserhöhung und die nun bestätigten Übernahmegerüchte um Bayer und Monsanto den Kurs gedrückt haben. Vor allem die Bayer-Aktie hatte zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent nachgegeben.

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern will den an der Börse mit 42 Milliarden Euro bewerteten Saatgut-Riesen übernehmen. Kürzlich sollen sich Vertreter von Bayer mit Mitgliedern der Geschäftsführung von Monsanto getroffen haben, um eine einvernehmliche Übernahme zu beraten. Monsanto sprach von einer unverbindlichen, unerbetenen Offerte, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sei. Sie werde nun vom Verwaltungsrat geprüft. Gerüchte gab es kürzlich auch über eine mögliche Übernahme durch den deutschen Konzern BASF.

Bayer ist aktuell an der Börse mehr als das Doppelte von Monsanto wert, weshalb viele Marktbeobachter befürchten, dass der deutsche Pharmakonzern sich beim Kauf von Monsanto übernehmen könnte. Bayer hatte das Übernahmeangebot mit dem Motiv begründet, die Spitzenposition in den eigenen Kerngeschäften voranzutreiben. Analysten sind der Auffassung, dass sich die Geschäftsbereiche der beiden Konzerne gut ergänzen würden.

Bayer würde seinen Ruf damit wohl eher nicht verbessern, weil Monsanto durch zahlreiche Skandale bekannt geworden ist. Monsanto ist der weltweit größte Hersteller von genetisch verändertem Saatgut und produziert das weltweit am meisten verkaufte Breitband-Herbizid Roundup, dessen Wirkstoff das möglicherweise krebserregende Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist.

Monsanto und Bayer gemeinsam würden 28 Prozent der weltweit verkauften Pestizide auf den Markt bringen. Die Kartellbehörden dürften der Übernahme zustimmen, weil Monsanto in den USA, Bayer aber in Europa und Asien sehr stark aufgestellt ist.

Die jüngsten Bewegungen an der Börse legen die Prognose nahe, dass Bayer durch die Übernahme in Schieflage geraten könnte. Mit weiteren Kursverlusten ist zu rechnen. Seitens der Baader Helvea hieß es dazu in einem Kommentar: „Da Bayer keinerlei Einzelheiten bekannt gibt, rechnen wir in nächster Zeit mit Gegenwind für die Aktien.“ Mutmaßlich müsste Bayer einige Sparten verkaufen, auch eine Kapitalerhöhung ist möglicherweise nötig. Genau das fürchten die Anleger, weswegen in den kommenden Tagen und Wochen bis zu einer endgültigen Klärung mit weiteren Kursverlusten zu rechnen ist.

Abgesehen von kurzfristigen Kurseinbrüchen ist davon auszugehen, dass das Image von Bayer durch eine Übernahme von Monsanto erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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