BER-Flughafengesellschaft kann keine Kritik vertragen

| 11. April 2016 | Kommentieren
BER, Foto: berlin-airport.de

BER, Foto: berlin-airport.de

BER-Flughafensprecher freigestellt

Von Torsten Müller

Berlin – Wohl kein Verkehrsprojekt hat den internationalen Ruf Deutschlands so sehr in Mitleidenschaft gezogen wie die zahlreichen Pannen am BER-Flughafen in Brandenburg. Der vor allem von den Berliner und Brandenburger Steuerzahlern bezuschusste Flughafen sollte eigentlich im Jahr 2012 fertiggestellt und eröffnet werden. Mittlerweile gilt als sicher, dass er nicht vor dem Jahr 2018 eröffnet werden kann. Die Kosten sind überdies viel höher ausgefallen, als es zu Planungsbeginn veranschlagt wurde.

Nach unzähligen Pannen, die nicht zuletzt der Steuerzahler schultern muss, stünde den Verantwortlichen am BER etwas Ehrlichkeit und Demut gut zu Gesicht. Doch weit gefehlt. Der Flughafensprecher Daniel Abbou wurde nun freigestellt, weil er sich im kritischen Ton über die Machenschaften rund um den BER geäußert hat. Ein Interview, das Abbou dem „prmagazin“ gegeben hatte, hat nun zum Ende seiner kurzen Laufbahn als Flughafensprecher geführt. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld dazu wörtlich: „Das Interview von Herrn Abbou mit dem PR Magazin ist nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt. Herr Abbou ist freigestellt.“

Doch was hatte Abbou denn Skandalöses ausgeplaudert, was nun zu diesem drastischen Schritt führte?

Abbou hatte in dem Interview genau das getan, was Millionen Steuerzahler erwarten, er warb um Offenheit und Transparenz im Umgang mit den vielen Pannen und Versäumnissen. Laut Abbou hätten die Berliner und Brandenburger „ein Recht zu sehen, wo ihre Milliarden versenkt worden sind“.

Auch habe die alte Flughafencrew „zu viel verbockt“. Abbou dazu weiter: „Früher wurde meist gesagt: Nein, es ist alles gut. Das ist Bullshit. Bekenne dich dazu, wenn etwas scheiße gelaufen ist. Es seien viele Milliarden „in den Sand gesetzt worden“. Abbou dazu weiter: „Es kommt eh alles raus.“

Wie unsicher die Lage am BER-Flughafen auch weiterhin ist, machte Abbou auch deutlich: „Ich verspreche Ihnen: Wenn ich`s weiß, wisst ihr`s auch. Mein Technikchef hält weiter daran fest, dass es eine Chance gibt, 2017 einzuhalten. Und wenn er das glaubt und mir das auch kommuniziert, dann ist es so. Glauben Sie mir, kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen.“

Abbou wagt es auch, Kritik an BER-Chef Mühlenfeld zu üben, da dieser versucht haben soll, eine Veröffentlichung des Brandenburger Rechnungshofs zu verhindern.

Abbou war wohl der erste hochrangige BER-Verantwortliche, der die Öffentlichkeit ehrlich über die Umstände am BER informierte. Doch ehrlich währt in Brandenburg offenbar nicht am längsten, wie es die Redewendung sagt, sondern bringt Probleme für die Karriere mit sich.

Stichworte: , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Politik

Kommentar schreiben