Blase oder nicht Blase, lautet nach wie vor die Frage!

| 20. Juni 2016 | Kommentieren

Entwicklung am Immobilienmarkt

Von Rüdiger Dietrich

Immobilienmarkt, Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Immobilienmarkt, Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Berlin – Wie die „Welt“ berichtete, warnen Experten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einer Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes, nachdem die Preisentwicklung am deutschen Häusermarkt den Grenzwert von zehn Prozent über dem langfristigen Trend überschritten hat. Für Deutschland errechnete die BIZ einen derzeitigen Wert von 10,6 %. Der zuweilen als britischer Starinvestor betitelte Jeremy Grantham wiederum äußerte vor wenigen Wochen erst seine Sorge um den amerikanischen Immobilienmarkt, bezüglich dem – so seine Befürchtung – die lockere Geldpolitik der FED eine Blasenbildung erzeugen könnte. „Es ist unwahrscheinlich, dass wir diesen Zyklus ohne eine Wiederholung der US-Immobilienblase beenden werden“, äußerte Grantham gegenüber Citywire, obgleich die Bewertungen noch deutlich unter den Niveaus im Hype-Jahr 2006 liegen. Doch nicht nur, dass sich immobilienmarktrelevante Daten je nach Blickwinkel unterschiedlich darstellen, zeigt sich auch der Markt regional völlig verschieden, weshalb der Anleger gefordert ist, die jeweilige Entwicklung und die betreffenden Akteure genau zu beobachten.

Global gesehen deutete der Rückgang des globalen Transaktionsvolumens beispielsweise von Gewerbeimmobilien um 17 % im ersten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum – gemäß einer vorläufigen Erhebung von JLL – nicht auf eine Überhitzung hin. „Vor dem Hintergrund der hohen Verfügbarkeit von anlagebereitem Kapital gehen wir davon aus, dass sich die Transaktionsvolumina bis zum Jahresende bei rund 700 Mrd. USD und damit auf Vorjahresniveau bewegen werden,“ prognostizierte in diesem Zusammenhang jüngst Hela Hinrichs von JLL EMEA Research. Rückgänge waren im besagten Zeitraum der Erhebung zufolge in den drei großen Märkten Großbritannien (- 37 %), Frankreich (- 30 %) und Deutschland (- 7 %) registriert worden, während die skandinavischen Länder, Benelux sowie Mittel- und Osteuropa Zuwächse verzeichneten. Die europäische Investitionstätigkeit allgemein belief sich – folgt man dem Marktbericht von Cushman & Wakefield – im ersten Quartal 2016 insgesamt auf 46,5 Mrd. €, was 14 % unter dem ersten Quartal 2015 und 15 % unter dem Quartalsdurchschnitt von drei Jahren liegt.

Außerhalb der Kernmärkte Frankreich, Deutschland und Großbritannien nahm das Investitionsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal 2015 bereits jetzt um 15 % auf 21,6 Mrd. € deutlich zu, wobei Italien, Niederlande und Spanien ein nennenswertes Wachstum aufwiesen. Im Gegensatz zum Vorjahr sanken die Investitionen in Einzelhandelsflächen am stärksten und stiegen im Hotel- und Freizeitsektor um deutlich mehr als das Doppelte an. Nach wie vor das beliebteste Investorenobjekt stellen Büroflächen dar. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich, laut den Zahlen des Branchenverbands BVI, speziell bei den deutschen Anlegern offene Immobilienfonds. Allein im ersten Quartal 2016 sind nach den Verbandsdaten 2,3 Mrd. € in diese Publikumsfonds geflossen. Allerdings nehmen manche Immobilienfonds bereits keine Anlegergelder mehr an, da nicht unerhebliche Fondsvolumina schon jetzt nicht mehr in Immobilien investiert und die Möglichkeiten für Immobilienerwerb in den Zielmärkten inzwischen sehr begrenzt seien. Beispiele hierfür sind einige Union-Investment-Immobilienfonds oder auch der Immobilienfonds der Deutschen Asset Management Grundbesitz Europa.

Allerdings wurde auf dem Deutschen Stiftungstag 2016 in Leipzig eine Studie des Maecenata Instituts gemeinsam mit „Wertgrund“ und der Fachzeitschrift „Die Stiftung“ vorgestellt, derzufolge nahezu die Hälfte der deutschen Stiftungen binnen der kommenden fünf Jahre ihr Immobilienvermögen in Deutschland weiter auszubauen gedenken. Etwa 90 % der Stiftungen sehen sich durch niedrige Erträge aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase finanziell belastet, weshalb deren Interesse an alternativen Investmentformen entsprechend zunimmt. Dabei dominieren mit 78 % klar die Wohnimmobilien, gefolgt von Büro- und Sozialimmobilien. Knapp die Hälfte der Stiftungen ist auch in gemeinwohlorientierte Immobilien investiert. Etwas mehr als die Hälfte des bestehenden Immobilienvermögens der Stiftungen sind indirekte Investments, überwiegen in Form von offenen Publikums-AIF und geschlossenen Fonds. Offene Spezial-AIF fallen mit bislang 16 % nur unwesentlich ins Gewicht.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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