Buchbesprechung: „Der Angriff auf den Nationalstaat“

| 8. März 2017 | Kommentieren


Ein Pflichtlektüre sowohl für die, die dem Autor beipflichten, als auch seine Gegner: Wer auf diesem Gebiet mitreden will, muss sich damit auseinandergesetzt haben!

Titel: Angriff auf den Nationalstaat
Autor: Thierry Baudet
Erhältlich hier: Kopp-Verlag

Thierry Baudet hat sich nicht zuletzt mit seinem hochintelligenten und umfassend abgewogenen Plädoyer für den Nationalstaat in konservativen Kreisen einen Namen gemacht, und das nicht zu unrecht. Dem niederländischen Publizisten und Journalisten Thierry Baudet, einem der Initiatoren des holländischen Referendums zum Ukraine-Assoziierungsabkommen mit der EU, bei dem 61 % der Abstimmenden gegen den Vertrag votierten, merkt man bei der Lektüre seines Buches das Studium der Rechtswissenschaften und der Geschichte gewinnbringend an. Wer sich im immer komplexer werdenden Geflecht internationaler Beschlussfassungsinstitutionen und Entscheidungsabläufe Klarheit über die so bedeutungsvollen Fragen um Souveränität, Identität und staatlicher Verfasstheit verschaffen möchte, kommt an dem Buch „Der Angriff auf den Nationalstaat“ nicht vorbei.

Dem Autor gelingt es, eine beeindruckende Fülle denkbarer Aspekte um das Thema Staat, Gesellschaft, Demokratie aus den Perspektiven unterschiedlichster Standpunkte zu beleuchten, ehe er seine Schlussfolgerungen zieht. Dabei legt er stets einen exakten Maßstab der geschichtlichen Entwicklung und juristischen Rahmenbedingungen an. Der große Gewinn der Lektüre dieses Buches ist, dass sich in diesem Buch die Essenz vieler anderer Schriften zum Thema bezugnehmend und vergleichend wiederfindet. Zudem profitiert der Leser, der sich weitergehend befassen möchte von einem ausführlichen Anhang mit zahlreichen genau dargestellten Verweisen.

Inhaltlich belegt Thierry Baudet auf eindrucksvolle Weise, dass die Nationalstaaten Basis und Garanten unserer demokratischen Gesellschaften darstellen, jedoch die politischen Eliten diese demontieren. Während Massenzuwanderung die nationalen Werte von innen aushöhlt, wird die Souveränität der Nationalstaaten von außen immer weiter eingeschränkt. In dem Buch wird nachvollziehbar herausgearbeitet, dass es nicht Absicht von supranationalen Organisationen ist, einen neuen Staat zu bilden, sondern der Ersatz des gesamten Konzepts Souveränität durch etwas anderes. Worum es geht wird deutlich, wenn Baudet John Laughland zitiert: „Einer der größten intellektuellen Fehler besteht darin, die Zusammenarbeit zwischen Staaten mit ihrer politischen Integration zu verwechseln und das Zweite im Namen des Ersten zu verteidigen.“ Konsequent logisch zeigt Baudet die Unterschiede zwischen Supranationalismus und Internationalismus sowie Supranationalismus und Föderalismus auf. Nach der Lektüre wird beispielsweise ebenso klar, weshalb das klassische Völkerrecht nichts anderes als internationale Politik darstellt.

Dem politisch interessierten Zeitgenossen wird es kaum möglich sein, dieses Buch wieder aus der Hand zu legen, nachdem er binnen nur weniger Seiten das Potential eines ungeheuren Erkenntniszugewinns dieser Lektüre erkannt haben wird.

Von Reinhold Meier

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Kategorie: Allgemein, Buchbesprechungen

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