Buchbesprechung: Geo-Imperialismus – Die Zerstörung der Welt

| 9. Mai 2017 | 1 Kommentar
"Geo-Imperialismus – Die Zerstörung der Welt" von Wolfgang Effenberger, erhältlich im Kopp-Verlag

“Geo-Imperialismus – Die Zerstörung der Welt” von Wolfgang Effenberger, erhältlich im Kopp-Verlag

Titel: Geo-Imperialismus – Die Zerstörung der Welt
Autor: Wolfgang Effenberger
Erhältlich hier: Kopp-Verlag

Schon einmal vom „Seidenstraßen-Strategiegesetz“ – nein, nicht von Russland und China -, sondern der USA gehört? Oder dem US-Strategiepapier TRADOC 525-3-1 aus dem Jahr 2014? Oder von der National Security Presidential Directive 66, die unmissverständlich betont, dass „die USA große und fundamentale nationale Sicherheitsinteressen in der Arktis haben? Sicher völlig unabhängig von Ölvorkommen… Der Begriff „Geopolitik“ führte im Deutschland der Nachkriegszeit über lange Jahre hinweg ein Schattendasein. Erst in den 1980er-Jahren begann eine zögerliche akademische Auseinandersetzung mit dem Thema. Da geopolitische Ziele immer stärker mithilfe von Medien und ökonomischer Vernetzung verwirklicht werden, ist dieses Buch von unschätzbarem Wert, sich das nötige Hintergrundwissen zur Beurteilung der aktuellen geopolitischen Vorgänge anzueignen. Auch wenn Geopolitik in Deutschland kaum einer Erwähnung wert ist, sind dennoch die Kriege auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irak, in Libyen und in Syrien alle Bestandteil der amerikanischen Geopolitik.

Wolfgang Effenberg zeigt mit “Geo-Imperialismus – Die Zerstörung der Welt” auf, dass es wie bei all den vorangegangenen Kriegen auch heute um Öl, Gas und Marktzugänge geht. So steht Assad dem Vorhaben der mit den USA verbündeten Saudis im Weg, Russland im Gasgeschäft zu konkurrieren. Saudi-Arabien will mit Katar eine Pipeline vom Golf bis in die Türkei bauen. Und den USA geht es neben der Kontrolle des europäischen Energiemarktes zudem um den Erhalt des US-Dollars als Weltleitwährung. Wolfgang Effenberg, der nach seiner Offiziersausbildung Politikwissenschaft und Bauingenieurwesen studierte, erhielt als aktiver Pionierhauptmann in der Zeit der Kalten Krieges tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete „atomare Gefechtsfeld“ in Europa und zeichnet sich in diesem Buch als ausgewiesener Experte geopolitischer Fragen in historischen Zusammenhängen aus. Er weist nach, dass die heutigen geopolitischen Ziele nicht erst seit wenigen Jahren oder Jahrzehnten verfolgt werden.

Ohne geopolitisches Wissen kann kein umfassendes und wirklichkeitsgetreues Weltbild vermittelt werden, zahlreiche die Länder- oder Kontinentalgrenzen überschreitende Vorgänge in Politik, Militär, Wirtschaft und Gesellschaft bleiben ohne geopolitische Analysen unverstanden. Ist dies der Grund der Tabuisierung der Geopolitik in der Bundesrepublik? Der Autor deckt die geopolitische Strategie der USA auf, den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle zu halten und im Zuge dessen eine zu enge Verbindung zwischen Deutschland und Russland zu verhindern. Auf dem eurasischen Kontinent leben 75% der Weltbevölkerung und dort befinden sich weltweit die meisten natürlichen Ressourcen sowie die größte landwirtschaftliche und industrielle Produktion.

Eingehend behandelt das Buch Zbigniew Brzezinski, die nach wie vor „Graue Eminenz“ unter den geo- und militärpolitischen Beratern zahlreicher US-Präsidenten, demzufolge es in der Geopolitik nicht um regionale, sondern – in der Tradition Halford Mackinders und Nicholas J. Spykmans – um globale Dimensionen geht. Hochaktuell geht der Autor aber ebenso auf Untersuchungen von Kelly M. Greenhill zur Migration als Kriegswaffe ausführlich ein. Da dies Buch unweigerlich dazu anregt, sich eingehender mit Geopolitik zu befassen, ist die Auflistung der Quellenangaben nach jedem einzelnen Kapitel ein zusätzlicher Pluspunkt für dieses informativ außerordentlich gewinnbringende Buch.

Von Reinhold Meier

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Kategorie: Allgemein, Buchbesprechungen

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