Christian Grobe und Matthias Knecht starten mit Billie ins Online-Factoring

| 9. März 2017 | Kommentieren

Billie gelingt größte Seed-Finanzierung deutscher FinTech-Start-ups

Christian Grobe und Matthias Knecht mit Billie

Christian Grobe und Matthias Knecht mit Billie

Berlin – Nachdem die beiden ehemaligen McKinsey-Berater Christian Grobe und Matthias Knecht ihren Kreditmarktplatz Zencap verkauft haben, bereiten sie, wie unlängst das Handelsblatt berichtete (siehe: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/banken-versicherungen/fintech-gruender-grobe-und-knecht-offene-rechnungen-mit-ikea-touch/19395462.html?nlayer=News_1985586&ticket=ST-1134198-2jXLk5zxecGcTnagaFYc-ap1), mit Billie ein neues Fintech-Start-up im Bereich Online-Factoring vor. „Billie ist der neue & smarte Weg für Unternehmer, offene Forderungen direkt in Cashflow zu verwandeln,“ lautet es auf dem Internetauftritt des Jungunternehmens, hinter dem laut Impressum die 12. Ozean GmbH steht. Viel mehr ist dem bislang zwar noch nicht zu entnehmen, doch der Factoring-Dienst des Ende vergangenen Jahres gegründeten Unternehmens soll auch erst im Mai offiziell starten. Trotz der großen Konkurrenz, wie beispielsweise Bezahlt.de, Fundflow oder Advanon, dürfte diese Neugründung ernstzunehmen sein, da im Rahmen ihrer Seed-Finanzierung immerhin 3,5 Millionen Euro eingesammelt worden sein sollen. Man spricht von der größten Pre-Product-Runde im deutschen FinTech-Sektor.

40 Prozent aller ausstehenden B2B-Rechnungen mit erheblicher Verspätung

Grobe und Knecht kündigten an, das Factoring-Geschehen radikal vereinfachen zu wollen und zielen darauf ab, die Antragszeit mittels eines vollständig digitalen Prozess auf sieben Minuten zu reduzieren. Grundsätzlich soll mit dem Start-up kleinen und mittleren Unternehmen künftig die Vorfinanzierung ihrer Rechnungen ermöglicht werden. Es handelt sich dabei jedoch um ein „unechtes“ Factoring, da sich Billie wieder an das Unternehmen wendet, sollte die ausstehende Summe nicht vom Schuldner einzuholen sein, sprich es besteht bei diesem System kein Ausfallschutz. Das Angebot zielt folglich konsequent auf die kurzfristige Liquiditätsversorgung der Kunden und gerade nicht auf die Ausfallversicherung von Rechnungen ab. Zahlt ein Schuldner nicht, wird auf den Kunden, dem Geld vorfinanziert wurde, zurückgegriffen. Hinter der Geschäftsidee steckt die Feststellung, dass in Deutschland 40 Prozent aller ausstehenden B2B-Rechnungen mit erheblicher Verspätung von über einem Monat bezahlt werden, jedoch nur ein Prozent davon letztendlich tatsächlich ausfällt.

Die Liquiditätsversorgung durch Vorfinanzierung, nicht der Ausfallschutz, für den es Warenkreditversicherungen gibt, stehen im Mittelpunkt des Geschäftsmodells. Die Factoring-Gebühr, ein einmaliger Betrag auf das vorfinanzierte Rechnungsvolumen, richtet sich nach der Bonität sowohl des Kunden, als auch des Schuldners und dem Zahlungsziel der Rechnung. Mit einer Spanne zwischen zwei und fünf Prozent des Rechnungsbetrages dürfte voraussichtlich zu rechnen sein.

Von Friedrich Walstadt

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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