Das Ende der Satire in Sachsen?

| 23. Mai 2016 | Kommentieren

Wenn Political Correctness auf Party-Schlager trifft

Von Karl Buckatz

Normalerweise ist die Welt des Party-Schlagers auf den Ballermann und ähnliche Etablissements in Deutschland beschränkt. Die Texte, in denen es um Köpfe geht, auf denen sich eine Zwiebel befindet oder die Haare schön sind, bleiben nach durchtanzten (und durchzechten) Nächten selten in Erinnerung.

Das war bislang auch bei einer gewissen Helena (von gaaaanz kurz hinter die Grenze) nicht anders. Die Sängerin, über deren Privatleben wenig bekannt ist, schlüpft für ihre Studioaufnahmen in die Rolle einer tschechischen Straßen-Prostituierten. Frech, frivol und mit dem typischen Akzent ihres Landes bringt sie mit Titeln wie „Ich blase nicht nur Volksmusik“ Stimmung in die sprichwörtliche Bude.

Mit ihrem neuesten Werk „Ihr habt‘n Nachtschatten“ jedoch sorgte sie für einen Aufschrei in der politisch-korrekten Welt des linksbürgerlichen Spießertums. Mit „Ich spür wie Lachkrampf mich berührt wenn nach deutsche Land ich schau, alles dort den Verstand verliert, ich glaub die sind da völlig blau“ in den Strophen und „Ihr habt´n Nachtschatten und die auf eurem Thron – die mit dem Machtschatten – die sagt, ihr schafft das schon“ werden vorsichtiger Andeutungen in Richtung einer Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik und darüber hinaus angebracht.

Für die empfindsamen Ohren verunsicherter Gutmenschen ist das schon zu viel. Kaum hatte „DJ Happy Vibes“ (Andreas Hofmann) einen Hörerwunsch nach Helenas Liedchen in seiner Sendung „Maximal“ erfüllt, gingen bei seinem Sender „Radio Dresden“ wütende Proteste ein. „Rechte Hetze und Beleidigung der Kanzlerin“, behauptete ein Eric Hattke vernommen zu haben. Der scheidende Sprecher des linken Bündnisses „Dresden für alle“ drückte seine Verwunderung darüber aus, „dass solches Gedankengut über diesen Sender verbreitet werden darf“.

Der so gescholtene Radiomacher wies die Vorwürfe von sich: „Für mich ist das reine Satire“ gab er gegenüber der SPD-nahen „Sächsischen Zeitung“ kund. Hofmann hat inzwischen mit einer zensierten Version des Schlagers („kuschelweiche Mainstream E.H.dit“) reagiert. Kritischen Stellen wurden mit Pieptönen oder Wortfetzen (u.a. mit Karl Eduard von Schnitzler) überspielt.

Der sächsische Intriganten-Stadel hat die örtliche Presse in der gesamten letzten Woche beschäftigt. Er zeigt exemplarisch, in welchem geistigen Zustand sich Deutschland befindet. Helena (von gaaaanz kurz hinter die Grenze) jedoch kann sich freuen: ihr Lied verkauft sich inzwischen auf den einschlägigen Online-Plattformen sehr gut.

 

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft, Satire, Unterhaltung

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