Das Ringheiligtum von Pömmelte und die Europäische Union

| 26. Juni 2016 | Kommentieren

Wie Politiker von heute die Vergangenheit für sich nutzbar machen

Von Karl Buckatz

Kreisgrabenanlage

Kreisgrabenanlage

Rekonstruktionen historischer Gebäude liegen im Trend. Die Schlösser von Braunschweig und Potsdam sind ins Stadtbild zurückgekehrt, auch wenn sie eine andere Funktion als ursprünglich erfüllen. Das Berliner Stadtschloss geht seiner Vollendung entgegen und wird unter der Bezeichnung „Humboldt-Forum“ musealen Zwecken dienen.

In allen Fällen ging dem Wiederaufbau ein heftiger Kampf um das ob und wie voraus. Nicht immer wurde positiv entschieden. Von der Garnisonskirche in Potsdam wird wohl deshalb nicht mehr als der Turm zurückkehren, der Wiederaufbau der Ulrichskirche in Magdeburg scheiterte ganz. Umso erstaunlicher ist es, wenn ein jahrtausendealter Sakralbau erfolgreich rekonstruiert wird. So geschehen mit der Kreisgrabenanlage von Pömmelte (nortexa berichtete: http://www.nortexa.de/das-ringheiligtum-von-poemmelte-vom-luftbild-zur-rekonstruktion/) die anlässlich der Sommersonnenwende 2016 eröffnet wurde.

Reiner Haseloff

Reiner Haseloff

In einer Zeit, in der Krisen die Meldungen beherrschen, werden positive Ereignisse gern aufgegriffen. Das gilt insbesondere für Politiker. Der Salzlandkreis als Bauherr der Anlage lud deshalb die Prominenz des Landes Sachsen Anhalt ein. So gaben sich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Landesentwicklungsminister Thomas Webel (CDU) sowie die Staatssekretäre Edwina Kupfer-Koch, Gunnar Schellenberger und Armin Willingmann ein Stelldichein in der Provinz. Auch die Presse war dabei, als die Eröffnungsreden gehalten wurden. In ihnen wurde der Bogen von der fernen Vergangenheit bis in die Gegenwart geschlagen. Der Zeitgeist kam dabei nicht zu kurz.

Beim Landesarchäologen Harald Meller aus Halle, der ebenfalls sprach, waren dabei merkwürdige Dinge zu hören oder zumindest später in der „Mitteldeutschen Zeitung“ zu lesen. So seien an diesem Ort, einige Kilometer entfernt von Magdeburg, bereits vor rund 5 000 Jahren verschiedene Kulturen zusammen gekommen. Darunter sollen laut MZ „Türken sowie Menschen aus den Steppen Südrusslands“ gewesen sein, die so zu den „ersten Bauern in Mitteldeutschland“ wurden. http://www.mz-web.de/salzlandkreis/-himmelswege–das-stonehenge-von-sachsen-anhalt-24267218

Das ist umso erstaunlicher, datieren doch die ersten Meldungen über die Turkvölker aus dem sechsten Jahrhundert vor Christi Geburt. Sie siedelten damals im Gebiet der Mongolei und im Westen der Volksrepublik China. Auf welchen Wegen sie lange zuvor nach Mitteleuropa gekommen sein sollen bleibt schleierhaft. Es könnte sich aber auch um einen Verständnisfehler handeln, denn die „Volksstimme“ brachte in diesem Zusammenhang etwas über „Zuwanderer aus dem heutigen Spanien und der heutigen Ukraine, die den Ackerbau mitbrachten“ und die auf die „Alteingessenen, die hauptsächlich von der Jagd lebten“, trafen. http://www.volksstimme.de/lokal/schoenebeck/kreisgrabenanlage-von-poemmelte-ging-europa-aus

Ringheiligtum

Ringheiligtum

Beim Zusammentreffen habe es laut MZ zwar „dramatische Auseinandersetzungen“ gegeben. Mit dem Bau des Ringheiligtums sei aber auch ein „gemeinsamer Ort des Friedens“ entstanden. „Daran sehen wir: Der europäische Gedanke war immer schon da“, meinte Harald Meller schlussfolgern zu können. Auch Haseloff hatte zuvor mit Blick auf die Förderung des über zwei Millionen Euro teuren Projekts pflichtgemäß betont, dass das alles aus seiner Sicht „ohne Europa nicht möglich“ gewesen wäre.

„Von Pömmelte ging Europa aus“ – so lautete die pathetische Überschrift über dem Artikel in der „Volksstimme“, der unmittelbar vor dem Referendum in Großbritannien – der Heimat des steinernen Stonehenge erschien. Die Auswirkungen auf das Land mit der hölzernen Variante könnten beträchtlich sein.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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