Das Ringheiligtum von Pömmelte – vom Luftbild zur Rekonstruktion

| 26. Juni 2016 | Kommentieren

Ein hölzernes Stonehenge mitten in Sachsen-Anhalt

Ringheiligtum von Pömmelte

Ringheiligtum von Pömmelte

von Karl Buckatz

Luftbilder, die in den 90er Jahren ausgewertet wurden, gaben erste Hinweise auf das Ringheiligtum von Pömmelte. Auf ihnen waren andeutungsweise Bodenanomalien zu erkennen, die kreisförmige Strukturen aufwiesen. Gleich zwei dieser historischen Kultstätten konnten so zwischen Schönebeck und Barby in Sachsen-Anhalt nach Jahrtausenden wiederentdeckt werden. Eine davon wurde anläßlich der Sommer-Sonnenwende 2016 neu eröffnet. Die Rekonstruktion am originalen Fundplatz vermittelt einen Eindruck vom möglichen Aussehen des Ringheiligtums.

Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte, wie sie ursprünglich genannt wurde, befindet sich unweit des Klostergutes Zackmünde am Rande eines kleinen Flugplatzes. Sie wurde vor etwa 4300 Jahren auf einem hochwassergeschützten, flachen Höhenrücken unweit des heutigen Verlaufs der Elbe, die damals mehrere Kilometer weiter östlich floss, errichtet. Die Anlage entstand in derselben Zeit wie das monumentale Bauwerk von Stonehenge und wurde etwa 300 Jahre von den Menschen der jungsteinzeitlichen Glockenbecher- und der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur genutzt. Vermutet wird heute ein zentrales Heiligtum, in dem geheimnisvolle Rituale stattfanden.

Im Innern der Kreisgrabenanlage

Im Innern der Kreisgrabenanlage

Das Rondell ist ein einzigartiger Beleg für vorgeschichtliche Sakralbauten. Es wurde von Ackerbauern und Kriegern errichtet und gibt einen Einblick in die Geisteswelt während des Epochenwandels von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit. Die aus Holz und Erde errichtete Anlage bestand aus mehreren konzentrischen Ringen, deren äußerer Pfostenkranz einen Durchmesser des von 115 m aufwies. Der Innenraum kam auf etwa 46 m Durchmesser und konnte über zwei Hauptachsen erreicht werden, die auf verschiedene Positionen des Sonnenlaufs ausgerichtet waren. Sie markierten vermutlich den Beginn der Jahreszeiten sowie Anfang und Ende der Erntesaison.

Zeugen für die kultische Nutzung fanden sich während der Ausgrabungen, die von 2005 bis 2008 stattfanden. In den 29 Schachtgruben, die bis zu drei Meter tief in den umlaufenden Kreisgraben eingegraben waren, konnten Scherben zahlreicher Keramikgefäße, Tierknochen, Steinbeile und Mahlsteine, aber auch Teile menschlicher Skelette geborgen werden.

Die Rekonstruktion der Anlage am originalen Standort vermittelt dem heutigen Besucher eine Vorstellung vom einstigen Erscheinungsbild und macht das Monument in seiner Komplexität erlebbar. Man kann die Anlage durchlaufen aber auch von einem Aussichtsturm überblicken. Der Besucher findet Informationen auf Tafeln am Rande eines Parkplatzes oder auf Steinplatten, die über das Gelände verteilt zu finden sind.

Vom Zauber der Vergangenheit, der den Mächtigen von damals diente, ist wenig geblieben. Dennoch zeigte die Eröffnungszeremonie, dass auch die Prominenz von heute noch einen Nutzen daraus ziehen möchte. Doch darüber später mehr.

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Kategorie: Allgemein, Kultur

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