Debatte um Anhebung des Renteneintrittsalters

| 14. Juni 2016 | Kommentieren

Kampf gegen Altersarmut

rentnerVon Torsten Müller

Berlin – Dass Altersarmut in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu einem Massenphänomen zu werden droht, ist keine neue Erkenntnis mehr. Mit Stand vom Februar 2016 lag das Risiko der über 65-Jährigen, in die Armut abzurutschen, bei 15,6 Prozent. Dieses Risiko betrifft aktuell also rund 3,4 Millionen Rentner in Deutschland. Wie massiv das Problem Altersarmut zunimmt, wird daran deutlich, dass es im Jahr 2005 „nur“ 10,7 Prozent der Rentner waren, die als armutsgefährdet galten. Rund 500.000 Rentner sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Aktuell liegt das Rentenniveau bei 47,5 Prozent des Durchschnittseinkommens, bis 2030 könnte es auf 43 Prozent sinken.
Die deutsche Versicherungswirtschaft hat sich nach der Fertigstellung einer vom Gesamtverband GDV in Auftrag gegeben Studie nun für die Schaffung einer „echten“ Rente mit 67 statt einer Debatte um die Rente mit 70 ausgesprochen. Aktuell liege das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,2 Jahren. Der GDV erklärte dazu: „Würden die Deutschen im Jahr 2030 hingegen tatsächlich bis zu ihrem 67. Geburtstag arbeiten, würde das Rentenniveau um 1,1 Prozentpunkte steigen.“ GDV-Präsident Alexander Erdland sagte dazu weiter: „Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70. Wir sollten zunächst alles daran setzen, das gesetzliche Ziel von 67 Jahren auch real zu erreichen.“

Bisher fehlt ein Konzept, das nachhaltig zur Stabilisierung des Rentensystems beitragen kann. Erdland dazu weiter: „Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten Rahmenbedingungen schaffen, dass Menschen auch in der Lage sind, so lange zu arbeiten. Aber klar ist: Auch längeres Arbeiten kann kein Rentenniveau garantieren, wie wir es von früher kennen. Das geht nur, wenn wir alle drei Säulen der Altersvorsorge stärken. Also auch die betriebliche und private Vorsorge.“

Das Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Annelie Buntenbach, kommentierte nun die GDV-Studie: „Das Rentenalter anzuheben bringt praktisch nichts für die Rente: Trotz längerem Arbeiten bliebe das Rentenniveau auf Talfahrt. Wenn das Rentenniveau stabilisiert wird, werden auch im Jahr 2040 1000 Euro Rente noch 1000 Euro Rente sein – anstatt 880 Euro bei sinkendem Niveau und steigender Altersgrenze.“

In der Tat weist die Debatte um das Anheben des Renteneintrittsalters eine gewisse Realitätsferne auf. Obwohl immer weniger Erwerbstätige bis zum Renteneintritt beschäftigt sind, soll das Renteneintrittsalter angehoben werden, um die Rentenkasse zu entlasten. Nachhaltige Sozialpolitik sieht anders aus.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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