Der dicke Nachbar mit dem Mohrenkopf

| 7. Juni 2016 | Kommentieren

Ein Kommentar zu „korrekten Begriffen“

Boateng während der Titelfeier 2013 im Münchner Rathaus, Foto: Harald Bischoff / Wikipedia

Boateng während der Titelfeier 2013 im Münchner Rathaus, Foto: Harald Bischoff / Wikipedia

Die Diskussion, ob bei AfD-Vize Alexander Gauland mit seinen Äußerungen, man wolle jemanden, den man als Fußballspieler schätze, nicht gleich auch als Nachbarn haben, nun versteckte Aversionen ob der Hautfarbe des Fußballspielers Jérôme Boateng durchgebrochen sind, oder ob er von hinterlistigen Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in eine Falle gelockt wurde, oder beides, ignoriert geflissentlich das größere Problem, nämlich die zunehmende Gesinnungsdiktatur als solche.

Der Verfasser dieses Artikels ist durchaus der Meinung, jedem Menschen sei das Recht gegeben, wen auch immer zu mögen oder nicht zu mögen, aus welchen Gründen auch immer. Wenn jemand meint, mich abscheulich finden zu müssen, weil ich diesen Artikel hier schreibe oder zu faul bin, meinen Bart zu stutzen, steht es ihm absolut zu. Sympathien oder Antipathien lassen sich eh nicht erzwingen. Natürlich muß es Grenzen des Ausdrucks geben. Jemanden totzuschlagen, weil er eine doofe Frisur hat, ist sicher keine legitime Meinungsäußerung.

Allerdings sollten diese Grenzen nicht übereifrig gesetzt werden. Dies aber haben die FAS-Journalisten getan und eine im Grunde ganz unscheinbare Sau mit lautem Geschrei durch das Dorf getrieben, bis die halbe Welt sie für Godzilla hielt. Aber ist es wichtig, ob Gauland Boateng mag? Oder ob Boateng Gauland mag? Sicher, man kann über solche Dinge berichten. Genutzt wurde die kleine Sache jedoch mal wieder als Aufhänger für tugendterroristische Inquisitionsbestrebungen, die sich immer mehr ausweiten.

Nun meldet sich also auch der von Gauland möglicherweise aus irgendwelchen Gründen gemochte oder nicht gemochte oder bislang unbeachtete Boateng zu Wort. Und zwar mit einem Angriff auf die deutsche Sprache. Begriffe wie „Mohrenkopf“ oder „Negerkuß“ (oder mit „SS“?) sollten auf Rassismus geprüft und gegebenenfalls nicht mehr verwendet werden. „Es geht ja darum, Respekt vor jedem Menschen zu haben“, so der Spitzensportler.

Wenn wir Fragen wie Karma außen vor lassen, kann ja tatsächlich niemand etwas für seine Hautfarbe und einige andere äußerliche Merkmale. Nachvollziehbar also, daß er dafür nicht gehänselt werden möchte. Wobei es eigentlich schon traurig ist, daß dazu gesondert erwähnt werden muß, daß „Neger“ oder „Mohr“ eigentlich nicht einmal Beleidigungen waren und erst dazu wurden, weil linke Sprachpolizisten dies immer und immer wieder behauptet haben. Herr Boateng ist hier also letztlich dem Zeitgeist auf den Leim gegangen. Auch ließe sich die Frage stellen, ob im Sinne umgekehrter (zugegeben, Küchen-) Psychologie die Verfemung bestimmter Begriffe bisweilen nicht sogar eher zu Ergebnissen führen könnten, die das genaue Gegenteil dessen sind, was beabsichtigt war. Jemand, der neutral „Neger“ gesagt und gedacht hat, könnte nun aufgrund der linken Gängelung „Schwarzer“ sage und „Ni**er“ denken. Möglich wäre es.

Die Sache läßt sich aber auch weiter denken. Wo wird die Grenze sein, wenn einmal bestimmte Begriffe als abwertend verbannt sind? „Es geht ja darum, Respekt vor jedem Menschen zu haben.“ Was ist mit dicken Menschen? Darf man sie überhaupt als dick bezeichnen? Oder gar fett? Auch diese können nicht unbedingt immer etwas für ihr So-Sein. Sagen wir dann „Menschen höheren Volumens“? Ist damit für die Dicken etwas gewonnen?

Nun ließe sich einwenden, daß ja „dick“ dem allgemeinen Schönheitsideal entgegenstehe und deshalb nicht mit der Hautfarbe verglichen werden könne, da es hier solche Maßstäbe nicht gebe (geben dürfe). Aber nun… es gab durchaus Zeiten und gibt Länder, wo ein großer Körperumfang als Zeichen von Wohlstand attraktiv macht(e). In Thailand greifen eine Menge nichtmuslimischer Frauen zur Vollverschleierung, um möglichst helle Haut zu haben, hier lassen sich Menschen im Solarium rösten… im Urlaub in Vietnam wurde ich selbstverständlich als „Langnase“ betitelt. Ich habe davon abgesehen, dies als Beleidigung zu empfinden, obwohl es (je nach Situation) auch nicht immer freundlich gemeint war.

Letztlich hängt die Frage, ob jemand einen als Nachbarn haben möchte, doch nicht allein von den Vorurteilen des anderen ab, sondern noch mehr vom eigenen Verhalten, kann das sein? Egal ob man dick oder dünn, schwarz oder weiß, gelb oder grün ist. Wobei: das mit den Grünen lassen wir mal lieber, die haben uns einen Großteil dieser geistigen Verwirrung eingebrockt…

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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