Der linke Tortenwurf von Magdeburg

| 29. Mai 2016 | Kommentieren

Zutiefst zerstrittene Linke

Bild: sahra-wagenknecht.de

Bild: sahra-wagenknecht.de

Von Torsten Müller

Magdeburg – Die Linke gibt derzeit das Bild einer zutiefst zerstrittenen Partei ab. Als Gregor Gysi noch Fraktionsvorsitzender war, schien es so, als könnte er die unterschiedlichen Flügel auf Linie bringen. Doch seit seinem Rücktritt und der Übernahme des Fraktionsvorsitzes durch Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch brechen die parteiinternen Flügelkämpfe wieder aus.
Die Lebensgefährtin des ehemaligen SPD- und Linken-Frontmanns Oskar Lafontaine, Wagenknecht, ist in den letzten Wochen öfter mit Aussagen in der eigenen Partei angeeckt, die dazu führten, dass sie von Parteigenossen in die rechte Ecke geschoben wurde. So sagte Wagenknecht, dass Ausländer, die das Gastrecht in Deutschland missbrauchen, das Gastrecht verwirkt hätten. Auch machte sie deutlich, dass es sehr wohl eine Aufnahmeobergrenze für Flüchtlinge geben müsse. Lafontaine pflichtete ihr bei und verteidigte sie gegen parteiinterne Kritiker, die sie in die Nähe der AfD rücken wollten.

Nun ist der Streit auf dem Bundesparteitag der Linken eskaliert, als ein mutmaßlich parteiinterner Linksextremist Wagenknecht, die in der ersten Reihe saß, eine Schokoladentorte ins Gesicht warf. Wagenknecht musste daraufhin für mehrere Stunden den Parteitag verlassen.

Gysi hatte die aktuelle Linke im Vorfeld des Parteitags als „saft- und kraftlos“ bezeichnet. Sowohl Wagenknecht als auch Bartsch hatten den früheren Fraktionschef für seine Äußerungen massiv kritisiert. Vor allem Wagenknecht warf ihm vor, zugunsten einer Regierungsbeteiligung auf grundsätzliche Prinzipien verzichten zu wollen. Wörtlich hatte Wagenknecht gegenüber Gysi gesagt: „„Wir haben SPD und Grünen seit vielen Jahren eine Zusammenarbeit zur Wiederherstellung des Sozialstaates und eine friedliche Außenpolitik angeboten. Aber ein gemeinsamer Kanzlerkandidat mit Parteien, die bis heute für Sozialabbau, Armutsrenten, prekäre Jobs, TTIP und Waffenexporte in Kriegsgebiete stehen, würde die Linke tatsächlich saft- und kraftlos machen.“

Die Linke macht momentan eine ähnliche Entwicklung wie CDU und SPD durch. Sie entfernt sich von ihren ursprünglichen politischen Grundsätzen und verliert so immer mehr ihre Glaubwürdigkeit. Dies hat zur Folge, dass sie zwischen dem Flügel, der eher am traditionellen Parteiimage festhalten will, und dem Flügel, der die Partei modernisieren will, allmählich zerrieben wird.

In den letzten sechs Jahren ist die Zahl der Parteimitglieder der Linken von 78.046 auf 58.989 gesunken. Geht der Aderlass so weiter, wird die Linke in weniger als 20 Jahren eine kaum noch wahrnehmbare Splitterpartei sein.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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