Deutsche Atomkraftwerke im Fokus von Terroristen?

| 16. April 2016 | Kommentieren
Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Foto: Avda / CC BY-SA 3.0

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Foto: Avda / CC BY-SA 3.0

Empfindliches Terror-Ziel

Von Torsten Müller

Düsseldorf – Nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris und Brüssel treibt die europäischen Sicherheitsbehörden die Frage um, was das nächste Ziel der Terroristen des „Islamischen Staats“ (IS) sein könnte. Beim Drahtzieher der Anschläge von Paris wurden nun Bilder vom Atomkraftwerk in Jülich gefunden. Die Behörden befürchten, dass deutsche Atomkraftwerke im Fokus der islamistischen Terroristen stehen könnten, da sie ein empfindliches Ziel darstellen und ein Anschlag maximalen Schaden anrichten würde.

Seitens des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums hieß es nun, dass es „keine Erkenntnisse zu einer konkreten Bedrohung“ gebe. Weiter heißt es seitens des Ministeriums: „Die Schutzmaßnahmen sind auf hohem Niveau.“ Die Atomanlagen in Nordrhein-Westfalen sind zwar nicht mehr aktiv, aber das Zwischenlager in Ahaus, die Urananreicherungsanlage in Gronau oder eben das Forschungszentrum in Jülich könnten dennoch ins Visier der Terroristen rücken.

Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium versucht die Gefahr kleinzureden: „Die Möglichkeit eines Flugzeugabsturzes auf die Anlagen in Jülich und Ahaus wird im Rahmen von Genehmigungsverfahren durch die dafür zuständige Behörde, das Bundesamt für Strahlenschutz, unter Hinzuziehung von Gutachtern berücksichtigt. Die Sicherheit gegen Flugzeugabsturz ist eine Genehmigungsvoraussetzung.“ Dass das Ministerium aber nicht erklären will, wie der Schutz der Anlagen gewährleistet wird, erklärt es mit Geheimhaltungsgründen.

Greenpeace sieht in den alten Kraftwerken eine erhebliche Gefahr. Der Greenpeace-Kernkraftexperte Heinz Smital sagte nun dazu: „Das Zwischenlager in Jülich hat gar keine richtige Genehmigung. Die Bodenphysik dort ist problematisch, es ist eine Atomanlage mit eklatanten Mängeln.“ Auch die Abfälle in Gronau und Ahaus könnten für Terroristen interessante Ziele sein, vermutet Smital.

Doch nicht nur die Atomanlagen in Deutschland weisen ein massives Gefährdungspotential auf. Auch die Meiler in den angrenzenden Ländern, zum Beispiel Belgien, stehen möglicherweise im Fokus der Terroristen. Und letztlich wäre es gleichgültig, ob auf deutschem Boden oder wenige Kilometer hinter der Grenze ein Atomkraftwerk durch einen Terroranschlag zu Schaden kommt, die gesundheitlichen und ökologischen Konsequenzen für in Deutschland lebende Bürger wären gleichermaßen gravierend.

Die Sicherheitsbehörden werden diese wachsende Gefahr in ihren Planungen berücksichtigen müssen, wenn es gelingen soll, die Bevölkerung wirksam vor Terrorismus zu schützen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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