Deutsches Zentrum für Eurasische Studien gegründet

| 7. April 2016 | Kommentieren

Eurasienzentrum

Geopolitik und die „Eurasische Idee“

Von Ruedi Strese

Berlin – Manuel Ochsenreiter ist als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins ZUERST! und regelmäßiger Interviewpartner auf dem englischen Kanal des Senders „Russia Today“ für geopolitisch ernsthaft Interessierte mittlerweile eine feste Größe. Mit seiner Berichterstattung zu den Konflikten in der Ukraine, Syrien oder aktuell Bergkarabach trägt er entscheidend zur Verbreitung fundierter Positionen jenseits des journalistischen Mainstreams bei. Nun hat er Ende März dieses Jahres nach langen Vorbereitungen das „Deutsche Zentrum für Eurasische Studien“ ins Leben gerufen.

Ausschlaggebend für die Gründung sei, wie uns Ochsenreiter auf Nachfrage mitteilt, eine klaffende Lücke in den am eigenen, nationalen Interesse ausgerichteten geopolitischen Analysen und Aktivitäten in Deutschland gewesen, welche sich in den Geschehnissen der letzten Jahre um den „Arabischen Frühling“, Libyen, Syrien, bezüglich des Maidan bzw. der Ukraine oder den Themen Krim und Kaukasus in erschreckender Weise in nahezu sämtlichen politischen Lagern gezeigt habe. Diese Lücke zu schließen, sei das Hauptanliegen der nicht gewinnorientierten Nichtregierungsorganisation.

Moment: Nichtregierungsorganisation? NGO? Das erinnert an das Problemfeld der von CIA oder George Soros finanzierten Organisationen, die sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten, etwa Rußlands einmischen. Nun das Ganze andersum, von russischer Seite? Das Projekt werde vollständig privat von den Mitgliedern finanziert, versichert Ochsenreiter. „Kein russischer Soros“ stehe dahinter, sondern „nur unsere Mitarbeiter“.

Manuel Ochsenreiter in Donetsk

Manuel Ochsenreiter in Donetsk

Wer diese Mitarbeiter sind, läßt sich auf der Seite der Organisation in Erfahrung bringen. Für die Leitung zuständig ist neben Ochsenreiter selbst als sein Stellvertreter Dr. Mateusz Piskorski, Gründer des Netzwerks „European Centre of Geopolitical Analysis“, Dekan der „Warschauer Akademie für Internationale Beziehungen“ und ehemaliger Abgeordneter des polnischen Parlaments. Interessant, daß es anscheinend auch bei unserem östlichen Nachbarn Strömungen gibt, welche sich zusehends vom Transatlantismus ab- und einer eurasischen Kooperation zuwenden.

Als Experten mit an Bord sind zudem Leonid Savin aus Rußland, als Chefredakteur des Magazins „Geopolitika“ sowie der Online-Seite geopolitika.ru sicher einer der führenden Köpfe der „Internationalen Eurasischen Bewegung“, sowie Kevork Almassian aus Syrien, welcher als „Forscher und Experte der internationalen Beziehungen“ vorgestellt wird. Künftig sollen noch weitere Mitarbeiter hinzugezogen werden.
Auf der facebook-Seite des Zentrums fallen häufige Beiträge im Zusammenhang mit souveränistischen oder rußlandfreundlichen Ansätzen der Alternative für Deutschland auf. Allerdings – so Ochsenreiter – arbeite man nicht mit politischen Parteien zusammen. Ochsenreiter weiter: „Wenn jemand etwas Kluges zu einem außenpolitischen Thema sagt, dann verbreiten wir das – egal in welcher Partei derjenige ist. Nur kommt das eben bei der CDU, SPD und den Grünen nur selten vor.“

Geplant ist eine ganze Palette an Aktivitäten, wobei das Netzwerken mit ähnlich orientierten Zentren vor allem im Eurasischen Bereich den Schwerpunkt bildet. Ansonsten sollen sehr verschiedene Beschäftigungsfelder erschlossen werden, darunter die Teilnahme an und Organisation von Konferenzen, Wahlbeobachtungen, Fact Finding Missions, Crisis Monitoring Missions sowie die Publikation von Expertisen der Experten des Zentrums. Bislang sind die Beiträge der Seite lediglich auf Englisch abrufbar, eine deutsche und russische Sektion sind jedoch geplant. Sicher lohnt es sich, den Werdegang des „Deutschen Zentrums für Eurasische Studien“ genauer zu beobachten.

Verweise:
http://germancenter.net/
https://www.facebook.com/GermanCenterForEurasianStudies/?fref=ts
http://www.geopolitica.ru/

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Kategorie: Allgemein, Politik

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