Deutschland fällt beim Management von Infrastruktur-Projekten international zurück!

| 13. Mai 2017 | 1 Kommentar

Abbau von Planungs- und Ingenieurkapazitäten bei Planungsämtern rächt sich!

Peter Hübner, Bauindustriepräsident, Foto: bauindustrie.de/Stockberg

Peter Hübner, Bauindustriepräsident, Foto: bauindustrie.de/Stockberg

Berlin – Nicht nur infrastruktureller Verschleiß und Investitionsstau erweisen sich zunehmend als Problem in Deutschland, auch mit Blick auf Neubauten bzw. Infrastrukturgroßprojekte erwarb und erwirbt sich Deutschland seit geraumer Zeit keinen Ruhm. Dabei muss man sich aber nicht allein Großbauten wie den Berliner Flughafen BER, Stuttgart 21 oder den City Tunnel in Leipzig vor Augen führen, sondern kann dies ebenso auf den Straßenbau übertragen. Gerade infolge der dort angesiedelten Probleme verschärft sich die auch ökonomisch negativ zu Buche schlagende Stau- und Unfallsituation. Einer Studie der Hertie School of Governance aus dem vergangenen Jahr über Planung und Management von Infrastruktur-Projekten zufolge ist Deutschland international auf den elften Platz zurückgefallen. Die Bauindustrie verlangt bei öffentlichen Großbauten eine bessere Planung und glattere Abläufe vor Baubeginn. Kritisiert wird unter anderem die im Straßenbau zu beobachtende Tendenz, Ausschreibungen immer weiter in Dutzende kleine Teilaufträge zu zerstückeln, wodurch hoher Koordinierungsbedarf entstehe. Nicht zu vergessen ist jedoch, dass damit versucht werden soll, mittelständische Unternehmen nicht unter die Räder kommen zu lassen.

An einem Qualitätsrückgang deutscher Ingenieure soll es nicht liegen, dass Problem sei vielmehr, dass viele Landesauftragsverwaltungen nicht mehr über die notwendige Kapazität für die erforderlichen Planungsarbeiten verfügten. „Deutsche Ingenieurkompetenz hat weiterhin einen guten Ruf, und das nicht nur national, sondern weltweit“, sagte Peter Hübner, der Präsident des Bauhauptverbands in einem Gespräch gegenüber der WELT (siehe: https://www.welt.de/wirtschaft/article163013405/Warum-in-Deutschland-so-langsam-gebaut-wird.html). Eine Mitschuld an den holprigen Abläufen trage die Rotstift-Politik der öffentlichen Hand bei den Planungsämtern in Bund, Ländern, Gemeinden und bei der Deutschen Bahn. Der Abbau von Planungs- und Ingenieurkapazitäten beeinträchtigt „die Qualität der Planung und die Fähigkeit, Investitionsvorhaben zu managen“, wird Hübner zitiert. Hübner forderte zudem eine Lockerung des gesetzlich festgeschriebenen „Vorrangs der Fach- und Teillosvergabe“, wie es im Branchenjargon heißt. Öffentliche Auftraggeber sollten bei Großprojekten künftig nicht mehr verpflichtet sein, die Aufträge für Planungs- und Bauleistungen scheibchenweise zu vergeben. In der Diskussion sind auch Anreizmechanismen, die bei vorzeitigen Fertigstellungen von Projekten greifen sollten.

Von Reinhold Meier

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Kategorie: Allgemein, Politik

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