Die Chinesen kommen! Gibt es die Kuka-Rekordübernahme in Deutschland?

| 20. Mai 2016 | Kommentieren
Dr. Till Reuter, Vorstandsvorsitzender (CEO) der KUKA AG, Foto: kuka.com

Dr. Till Reuter, Vorstandsvorsitzender (CEO) der KUKA AG, Foto: kuka.com

Kuka vor dem Verkauf?

Von Hans Driesch

Augsburg – Die Roboter von Kuka sind häufig gesuchte Fotomotive bei Berichten über die Automobilbranche. Kuka-Roboter bauen die Karosserie des Jeep Wrangler ebenso zusammen wie die Oberstufendüse der Trägerrakete Ariane 5. Seit langem gilt das Augsburger Unternehmen, das übrigens schon 1898 in Augsburg-Oberhausen durch die Brüder Johann Josef Keller und Jakob Knapprich gegründet wurde, und das ab 1927 dann als „Keller und Knapprich Augsburg“ – eben KUKA – firmierte, als heißer Übernahmekandidat. Nun soll es aber endgültig ernst werden: Der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea, der schon mehr als 13 Prozent der Kuka-Anteile hält, will den im MDax notierten bayerischen Anlagen- und Roboterhersteller nun ganz übernehmen, und bietet dafür den übrigen Aktionären 115 Euro je Kuka-Anteil, womit das Unternehmen eine Gesamtbewertung von 4,6 Milliarden Euro aufweisen würde.

Die Offerte des Haushaltsmaschinenherstellers aus Guangdong darf dabei durchaus als großzügig bezeichnet werden: Mit einem Angebot von 115 Euro je Kuka-Aktie liegt man 35 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag, wobei das Ziel von Midea ein Anteilserwerb von mindestens 30 Prozent der Kuka-Anteile ist. Der größte Kuka-Aktionär – die Voith-Gruppe aus Heidenheim, die bislang etwas mehr als 25 Prozent an Kuka hält – reagiert bislang allerdings noch relativ distanziert auf das Angebot aus Fernost, da das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg bislang noch mit einem Anteil von knapp über 25 Prozent alle wichtigen Entscheidungen auf der Hauptversammlung blockieren kann. Midea wiederum könnte Kuka einen wichtigen Zugang zum chinesischen Markt bieten, auf dem die Augsburger ja ohnehin in Zukunft kräftig wachsen wollen. Die Chinesen bemühen sich jedenfalls um ein vorsichtiges Vorgehen und wollen weder einen Gewinnabschließungsvertrag schließen noch Kuka von der Börse nehmen. Bislang war eigentlich eher Siemens ein häufig genannter Kandidat für eine mögliche Übernahme Kukas, zumal die Münchener mit den Augsburgern häufig bei Fabrikausstattungen zusammenarbeiten und Systemsteuerungen für Kuka-Anlagen liefern, so beispielsweise beim Bau von Autofabriken.

Die Schlagzeilen über eine mögliche Übernahme Kukas durch Midea dürfte die Debatten über Beteiligungen oder gar Übernahmen von europäischen Firmen durch chinesische Unternehmen weiter befeuern, so soll beispielsweise auch der schweizerische Agrarchemie-Konzern Syngenta für 43 Milliarden US-Dollar vom chinesischen Staatskonzern Chem-China übernommen werden.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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