Die SPD befindet sich in einer tiefen Strukturkrise

| 23. Mai 2016 | Kommentieren
Sigmar Gabriel, Bild: A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace), CC BY-SA 3.0

Sigmar Gabriel, Bild: A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace), CC BY-SA 3.0

Neuer Umfrageschock für SPD

Von Torsten Müller

Berlin – Die SPD befindet sich in der größten Krise der vergangenen Jahre. Parteichef Sigmar Gabriel ist sich offenbar nicht sicher, ob er der richtige Kanzlerkandidat für die Sozialdemokraten ist. So hatte er vorgeschlagen, dass auch andere SPD-Führungskräfte sich als Kanzlerkandidaten zur Verfügung stellen sollten, um einen innerparteilichen Wettbewerb zu initiieren. Hinter den Kulissen sagen bereits viele Genossen, dass es eines SPD-Kanzlerkandidaten überhaupt nicht bedarf, weil die Umfragewerte derzeit so niedrig wie noch nie sind. Die SPD ist nun auf 19,5 Prozent abgesackt, die Chance, den nächsten Bundeskanzler zu stellen, ist denkbar schlecht.

Dazu sagte nun der Politikwissenschaftler Prof. Jürgen Falter: „Es geht der SPD sehr schlecht. Sie findet keine Antworten auf Fragen, die die Bevölkerung umtreiben, ob es um innere Sicherheit geht oder um höhere Einkommen. Die Kluft zwischen der Vorstellungswelt der SPD-Funktionäre und dem, was ihre potenzielle Wählerklientel interessiert, scheint sehr groß geworden zu sein.“ Grund hierfür sei auch die immer wiederkehrende Personaldebatte. Es gebe in der Partei „eine schöne Tradition, immer am Vorsitzenden herumzumäkeln“.

Mit Blick auf die Personaldebatte fügt er hinzu: „Irgendwann wird er in Frage gestellt, und man fragt, ob er noch bleiben soll und wenn ja, wie lange. Die SPD schadet sich damit gewaltig. Sie macht Gabriel unglaubwürdig und schwächt ihn. So kann die SPD nicht auf die Beine kommen.“

Laut dem Krisenforscher Frank Roselieb macht die SPD derzeit einen Krisenverlauf mit, wie er für Parteien und Unternehmen typisch ist. Roselieb zu seinem Krisenphasenmodell wörtlich: „Am Anfang stehen die Strategiekrise und die Frage, wohin die Reise denn gehen soll. Es folgt die Strukturkrise, weil sich niemand mehr in den verfestigten Strukturen richtig wohl fühlt. Im Stadium der Erfolgskrise bleiben die Kunden beziehungsweise die Wähler weg. In der Liquiditätskrise fehlt es an Geld, weil die Produkte nicht mehr gekauft werden oder die Spenden ausbleiben. Die finale Phase ist die Insolvenz. Bezogen auf eine Partei bedeutet das, es nicht mehr in den Bundestag zu schaffen.“

Roselieb rief in diesem Zusammenhang das Schicksal der FDP in Erinnerung: „Das konnten wir bei der FDP beobachten, die eben alle fünf Phasen durchlief.“

Im nächsten Jahr zur Bundestagswahl wird sich zeigen, ob die SPD einem ähnlichen Schicksal wie die FDP entgegengeht. Derzeit sieht es so aus, als ob die Sozialdemokratisierung der CDU zur Verdrängung der SPD geführt hat.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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