Dr. Schulte, AdvoAdvice und die SAM AG – eine Never-Ending-Story?

| 1. November 2016 | Kommentieren

Anlegerschutzanwälte, Rechtsschutzversicherungen und Geschädigte

justizVon Rüdiger Dietrich

Berlin – Nicht nur Anlageberater, sondern auch Anlegerschutzanwälte können in die Kritik geraten, wobei es aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge nicht immer einfach ist, den Durchblick für eine Bewertung zu gewinnen. Bezüglich der seinerzeit von Dr. Schulte und Partner gegründeten Geschädigtengemeinschaft im Zusammenhang mit der SAM AG verhält es sich vielfach nicht weniger undurchsichtig. Nortexa berichtete bereits darüber, dass aus widerstreitenden Interessengruppen heraus Vorwürfe formuliert wurden, es würde hier nicht auszuschließen eine missbräuchliche Instrumentalisierung von Rechtsschutzversicherungen vorliegen bzw. die Kanzlei AdvoAvice um die Herren Tintemann und Klevenhagen hätte die Tätigkeit von Dr. Thomas Schulte übernommen, nachdem dieser in staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zur BWF Stiftung verwickelt wurde (siehe: http://www.nortexa.de/setzt-advoadvice-um-dr-sven-tintemann-die-arbeit-von-dr-thomas-schulte-und-partner-fort/).

Und trotz diverser Schreiben, die der Nortexa-Redaktion zugeleitet wurden, ist es schwer den Dunstkreis der an einen herangetragenen Vermutungen zu durchbrechen, weshalb der Versuch unternommen wurde, seiner Berichterstattung nicht nicht nur Unterlagen zugrunde zu legen, die von vielleicht nur ein und der selben Stelle zugestellt wurden, sondern bei AdvoAdvice nachzufragen. Bedauerlicherweise erhielten wir auf keine der gestellten Fragen eine Antwort. Weder darauf, wie sich aus Kanzleisicht der aktuelle Status quo hinsichtlich der von dieser vertretenen Anlegeransprüche gegen SAM AG, Leo One Investment GmbH bzw. die Thormann-Gruppe darstellt, noch wie zu erklären sei, dass in Sachen diesbezüglicher Anlegeransprüche Anspruchsschreiben an die Vermittler im Namen von Anlegern ergingen, die ihr Mandat bereits niedergelegt hatten. Ebenso wenig wollten sich Herr Dr. Tintemann oder Herr Klevenhagen dazu äußern, ob bzw. in welcher Weise gegenwärtig eine geschäftliche Kooperation mit Dr. Schulte an den Tag gelegt wird.

Der Redaktion liegt zumindest auch an letztgenannte Person ein Schreiben von Mitte dieses Jahres zum in Rede stehenden Sachverhalt vor, in dem sich darüber beklagt wird, dass beim Landgericht Bamberg ohne Wissen und Zustimmung des Verfassers Klage eingereicht wurde, deren Rücknahme gefordert wird. Ebenfalls hat die Redaktion von einem ähnlich gelagerten Schreiben bezüglich einer Klage beim Landgericht Nürnberg-Fürth Kenntnis sowie der Beschwerde eines ebenfalls Betroffenen gegenüber Dr. Tintemann, derzufolge sich beklagt wird, trotz Mandatsniederlegung im Oktober vergangenen Jahres, im April 2016 erneut ein Schreiben von Dr. Tintemann erhalten zu haben, aus dem – so der Verfasser – ein fortgesetztes Agieren in Sachen SAM AG hervorgehe. Zudem liegen Nortexa zahlreiche Beschwerden aufgrund der erfolgten Klageerhebungen bei der Berliner Rechtsanwaltskammer vor. Die nicht wenigen Aufforderungen an die klageerhebenden Anwälte, die Klagen zurückzunehmen, dürften die Situation nicht weniger kompliziert machen, wenn man ein vorliegendes Schreiben einer Rechtsschutzversicherung zugrunde legt, dem zu entnehmen ist, dass seitens der Rechtsschutzversicherung einer Klagerücknahme nur zugestimmt wird, solange noch keine Klagezustellung erfolgte.

Bezüglich des Vorwurfs im Zusammenhang einer angeblich lediglich die Rechtsschutzversicherungen in Anspruch nehmenden Praxis, argumentieren jedoch die klageerhebenden Anwälte ihrerseits in einem Schreiben, dass aufgrund der geringen Quoten, die in den bisherigen Vergleichen erzielt wurden, eine Klage für Anleger ohne Rechtsschutzversicherung wirtschaftlich sinnlos sei. Ein weiterer Kritikpunkt zielt allerdings auf die Empfehlung einer Beendigung des Gerichtsverfahrens durch Vergleichsbeschluss ab, da Anleger, die einen Vergleich eingingen, erhaltene Zahlungen an den Insolvenzverwalter des Beklagten zurückzuerstatten hätten, jedoch eine zu erwartende Insolvenzquote unterhalb der Vergleichsquote bliebe. In den wechselnden Schriftverkehren, die Nortexa vorliegen ist dementsprechend nicht zuletzt auch von Interessenkollisionen die Rede. Abschließend dürfte hier jedoch schwerlich etwas anderes zu sagen sein, als dass es sich scheinbar um eine Never-Ending-Story handelt, die Nortexa weiter beobachten wird.

Stichworte: , , , , , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Finanzen

Kommentar schreiben