Dramatische Zuwanderung aus Afrika wahrscheinlich

| 6. Oktober 2016 | Kommentieren

Entwicklungsminister Müller warnt

Dr. Gerd Müller (CSU), Quelle: Büro MdB Müller

Dr. Gerd Müller (CSU), Quelle: Büro MdB Müller

Von Torsten Müller

Berlin – Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat vor einer deutlichen Zunahme der Zuwanderung aus Afrika gewarnt. Müller dazu wörtlich: „Der Migrationsdruck wird in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen, wenn wir es nicht schaffen, wirtschaftliche Perspektiven in den afrikanischen Ländern zu schaffen.“ Auch müsse klar sein, dass die wirtschaftlichen Probleme in Afrika schon bald zu Sicherheitsproblemen in Europa werden können: „Es muss uns klar sein, dass Afrika unser Partnerkontinent ist – was dort geschieht, hat unmittelbare Auswirkungen auf Europa.“

Es sei davon auszugehen, dass sich die Bevölkerung in Afrika in den nächsten 30 Jahren auf mehr als zwei Milliarden Menschen verdoppeln werde. Laut Müller müsse es deutlich mehr Investitionen geben, um für die zunehmende Bevölkerung Arbeitsplätze zu schaffen. Auch europäische Unternehmen sollten sich stärker auf dem Kontinent engagieren.
Das Ergebnis der Perspektivlosigkeit sei bereits jetzt zu sehen. Der Zustrom von Flüchtlingen über das Mittelmeer nach Italien reist nicht ab. Die meisten zieht es aufgrund der im internationalen Vergleich hohen finanziellen Leistungen nach Deutschland. Binnen zwei Tagen wurden im Seegebiet zwischen Libyen und Sizilien bei insgesamt 72 Einsätzen mehr als 10.000 Menschen gerettet, wie die italienische Küstenwache am Mittwoch mitteilte.

Aktuell warten allein in Libyen etwa 500.000 Afrikaner auf ihre Überfahrt nach Europa. Früher wirkte das Land wie eine Pufferzone, doch seit dem gewaltsamen Sturz des früheren Herrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 wird Libyen vom Bürgerkrieg zerrissen, sodass es keine wirksame Staatsgewalt mehr gibt. Laut der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR kamen allein in diesem Jahr 300.000 Zuwanderer über das Mittelmeer nach Europa, der EU-Grenzschutzagentur Frontex zufolge kamen allein aus Libyen 116.000.

Dass es notwendig sein wird, die europäischen Aktivitäten zum Schutz der eigenen Außengrenzen zu verstärken, wird daran deutlich, dass Libyen keine Auffanglager wie in der Türkei schaffen will. Der Außenminister der libyschen Übergangsregierung, Taher Siala, meinte dazu, dass Europa sich damit der Verantwortung entledigen und sie auf die Schultern Libyens abwälzen wolle. Ein derartiges Projekt sei außerdem „sehr weit von der Realität vor Ort entfernt“.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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