Droht das Platzen einer Anleihenblase?

| 22. August 2016 | Kommentieren

Paul Singer befürchtet Zusammenbruch des globalen Anleihemarktes

Von Rüdiger Dietrich

New York – Nachdem der bekannte US-Großinvestor Georg Soros die Wall Street ins Visier nahm, warnt nun auch noch Paul Singer vor dem Platzen einer Anleihenblase. Soros beunruhigte mit seiner sich auf knapp 840 Mio. $ belaufenden Spekulation auf einen Absturz des Aktienindex S&P 500 und der Gründer und CEO des 28 Milliarden US-Dollar schweren Hedgefonds Elliott Management Corporation, Paul Singer, warnt vor einem Zusammenbruch des globalen Anleihemarktes. Derzeit sei die größte Anlageblase aller Zeiten zu beobachten, die irgendwann platzen wird, lautet das Fazit seiner Analyse. Dass er den globalen Anleihemarkt für „kaputt“ halte, ließ Paul Singer in einem Investorenbrief zum zweiten Jahresquartal wissen. Eindringlich warnt der Hedgefonds-Manager davor, negativ verzinste Anleihen zu erwerben. Etwas ungewöhnlich ist dabei seine Wortwahl, wenn er schreibt: „Solche Instrumente halten Sie auf eigenes Risiko, und es besteht die Gefahr einer ernsthaften Verletzung oder gar des Todes Ihres Vermögens.“ Mit seiner grundsätzlichen Feststellung, dass sich der Einsatz von Negativzinsen zur Stimulierung der Konjunktur definitiv nicht bewährt habe, dürfte Singer allerdings nicht alleine stehen.

Das Eintreten der krisenhaften Wende am Anleihenmarkt erwartet Singer auf sehr überraschende Weise und befürchtet eine durchschlagende Wirkung. Der ultimative Zusammenbruch bzw. auch in Form mehrerer aufeinanderfolgender Crashs am Anleihenmarkt ist für Paul Singer keine Frage mehr des „ob“, sondern lediglich des „wann“. Berichten zufolge stieg allein im Juni das ausstehende Volumen negativ verzinster Unternehmensanleihen nur in Europa auf mehr als 500 Milliarden US-Dollar an. Ungeachtet des Brexit-Votums sind auch Briten-Bonds bei britischen Anlegern sichtlich nachgefragt. Neben Singer nahm auch Starinvestor Bill Gross, der Pimco seinerzeit zum führenden Anleihenfondsunternehmen machte, bezüglich der Perspektive des globalen Anleihenmarkts unlängst den Begriff der Supernova in den Mund. Einige der jüngsten Entwicklungen in diesem Segment muten unbestritten gewöhnungsbedürftig an. Beispielsweise die Emission von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 50 oder gar 100 Jahren seitens Staaten die zum Ausgabezeitpunkt über keine funktionierende Regierung verfügten, wie z. B. Belgien, und oftmals noch kurz vor Ausgabe besagter ultralangfristiger Staatsanleihen drohten, in Gänze den Zugang zum internationalen Anleihenmarkt zu verlieren, siehe Spanien.

Während George Soros das Gros seiner Barrick-Gold-Aktien jüngst verkaufte, will Paul Singer hingegen bei Elliott Management künftig die Gold-Positionen aufstocken. Und ungeachtet teilweise hoher Schulden sieht der Hedgefonds-Manager Chancen bei Energieunternehmen. – Sei es wie es sei, bleibt trotz vieler unbekannter Variablen die weitere wirtschaftliche Entwicklung mit Sicherheit spannend.

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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