Durchwachsene Bilanz der Exzellenzinitiative

| 23. April 2016 | Kommentieren
Fürstbischöfliches Schloss Münster, auch heute noch Wahrzeichen der Stadt Münster und Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität, Foto: Wikipedia/Falense

Fürstbischöfliches Schloss Münster, auch heute noch Wahrzeichen der Stadt Münster und Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität, Foto: Wikipedia/Falense

Forschungsförderung

Von Torsten Müller

Berlin – Die deutsche Wissenschaftspolitik steht aktuell vor der Aufgabe, ein Nachfolgemodell für die auslaufende Exzellenzinitiative zu konzipieren. Experten ziehen nun eine eher durchwachsene Bilanz. In den vergangenen Jahren wurden über die Exzellenzinitiative Milliardensummen ausgeschüttet. In den ersten beiden Runden 2006 und 2007 wurden insgesamt 1,9 Milliarden Euro verteilt. Bis zum Jahr 2017 werden nochmals 2,7 Milliarden Euro an die Universitäten transferiert.

Dazu sagte die Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Dagmar Simon: „Wenn Sie sich international umschauen – da sprechen wir nicht über fünf Milliarden in zehn Jahren für ein ganzes Land, sondern über fünf Milliarden im Rahmen des Jahresetats einer einzelnen Uni.“ Gefördert werden aktuell 43 Forschungsprojekte als Exzellenzcluster und 45 Doktorandenausbildungen als Graduiertenschulen.

Aus Sicht der Studenten hat sich die Exzellenzinitiative nur bedingt bewährt. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyden, setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für Studenten ein, denkt aber, dass die Exzellenzinitiative zu wenig auf die Bedürfnisse der Studenten eingeht: „Mein Verständnis von Exzellenz ist: Wo die Forschung exzellent sein soll, muss auch die Lehre exzellent sein – und die Studienbedingungen erst recht. Wir brauchen Exzellenz auch für die Wohnraumversorgung und Beratung der Studierenden.“

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossman, sieht die Erfolge der Exzellenzinitiative deutlich positiver und sagte dazu: „Deutschland als Wissenschaftsstandort mit allen positiven Effekten auf Innovationskraft und Beschäftigung steht heute auch deshalb so gut dar, weil mit der Exzellenzinitiative, aber auch mit der Stärkung der außeruniversitären Forschung vor rund zehn Jahren, die richtigen Weichen gestellt wurden.“

Mit Blick auf die neu zu entwickelnden Konzepte merkte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) an: „Unser Ziel ist es, deutsche Spitzenforschung im internationalen Wettbewerb noch erfolgreicher, noch sichtbarer zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das mit der neuen Bund-Länder-Initiative gelingen kann – nicht zuletzt, weil der Bund dank der neuen grundgesetzlichen Regelungen die Möglichkeit hat, Hochschulen an verschiedenen Stellen auch dauerhaft zu unterstützen.“

Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Exzellenzinitiative zwar das Ziel verfolgt, den Hochschulstandort Deutschland zu verbessern und wettbewerbsfähig zu machen. Doch Wissenschaftsexperten stellen auch fest, dass die deutschen Universitäten mehr differenzierte Forschung und mehr starke Führungspersönlichkeiten benötigen, um international bestehen zu können. Dafür bedarf es sowohl größerer Investitionsbereitschaft als auch einer nachhaltigen Elitenförderung, die sich nicht in einer zeitlich befristeten Exzellenzinitiative erschöpfen darf.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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