E. Michael Jones: „Sexuelle Revolution dient dem Kapitalismus“

| 7. Juli 2016 | Kommentieren

Fundierter Vortrag des katholischen Publizisten

E. Michael Jones während seines Referats, Foto: NORTEXA

E. Michael Jones während seines Referats, Foto: NORTEXA

Von Ruedi Strese

Berlin – E. Michael Jones gehört zu den kontroversesten und auch interessantesten politischen Publizisten der USA. Aus fundamental-konservativer, katholischer Sicht geht er mit verschiedensten Entwicklungen der Moderne, von Kapitalismus bis Gender Mainstreaming, hart ins Gericht und zeigt wenig bekannte Zusammenhänge. In Berlin sprach er kürzlich über „Amerikanische Unabhängigkeit und neue Unfreiheit. Die Sexualisierung der Gesellschaft als Machthebel der globalen Oligarchen.“ Nortexa war zu dieser seltenen Gelegenheit vor Ort.

Das Datum, an welchem der Vortrag stattfand, hätte angesichts des Themas kaum besser gewählt werden, denn der 4. Juli 2016 ist der 240. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Begonnen wurde mit einer Vorstellung des Referenten. Dieser wurde 1948 geboren und wuchs im katholischen Glauben auf, verlor jedoch sein Interesse an diesem als junger Erwachsener und engagierte sich in der Counterculture, was ihm jedoch mit der Zeit sinnlos erschien und schließlich zu einer bewußten Hinwendung zum Glauben führte. Als Inhaber des Verlages Fidelity Press gab er die Zeitschrift „Fidelity“ heraus (jetzt „Culture Wars“) und verfaßte zahlreiche Bücher zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen, zu seinen Hauptwerken zählen „Libido Dominandi“ (1999), „The Slaughter of Cities“ (2005) und zuletzt „Barren Metal: a History of Capitalism as the Conflict between Labor and Usury“, eine katholische Kritik an Liberalismus und Kapitalismus.

Jones, der früher als Lehrer in Deutschland tätig war und fließend deutsch spricht, begann seinen Vortrag mit der These, alle Revolutionen führten früher oder später zum Bürgerkrieg. Als Beispiele nannte er die Hussitenbewegung, die Reformation, die französische und die russische Revolution. Derzeit sieht er die Sexualisierung der Gesellschaft als von einer Minderheit gesteuerte revolutionäre Bewegung, hinter dem Kampf für die Schwulenehe etwa stehe eine „Allianz von Schwulen, Kapitalisten und Finanzoligarchen“, wobei die Medienmacht im Zusammenhang mit dieser Revolution gegen die Mehrheit dieser eine „Agenda des moralischen Relativismus“ aufzwinge.

Den 4. Juli 1776, den Tag der amerikanischen Unabhängigkeit, bezeichnete Anderson als „Beginn des Kampfes zwischen Oligarchen und Volk“ bzw. zwischen Gläubiger und Schuldner. Die Umverteilungsmaschine des Kapitalismus und die Demokratie sieht er als unvereinbar an, denn die Interessen von Gläubiger und Schuldner könnten niemals identisch sein.

Die Sexualisierung der Gesellschaft in ihren verschiedensten Ausprägungen (Emanzipation der Frau, sexuelle Befreiung, Schwulenehe, Gender Mainstreaming,…) sieht er dabei als besondere Form des des „social engineering“ und der psychologischen Massenmanipulation, die den Zweck verfolge, die vom Kapitalismus geknechteten Massen gefügig zu halten, sexuelle Scheinwelten ersetzen dabei die politische Teilhabe und schwächen den Widerstandsgeist.

Im Laufe des Vortrags brachte Jones zahlreiche Beispiele, wie Sexualisierung als Waffe eingesetzt wurde. Etwa wehrte sich die katholische Kirche lange gegen bestimmte zersetzende Vorstöße Hollywoods, was in den 30er Jahren zum sogenannten „Production Code“ führte, der jedoch 1965 mit dem Film „Der Pfandleiher“ von Hollywood einseitig aufgekündigt wurde. Eine Machtdemonstration Hollywoods, welches tatsächlich die Holocaust-Thematik des Films gezielt ausnutzte, „um Titten auf die Leinwand zu bringen“, so Jones wörtlich. Die unter anderem von Franz Marischka losgetretene Pornowelle der 70er Jahre sei vom britischen Geheimdienst unterstützt worden, und Israel habe gegen die Intifada 2002 in Ramallah Pornographie als Waffe eingesetzt.

Den Vorwurf, den Kampf um politische Teilhabe gegen sexuelle Scheinfreiheiten eingetauscht zu haben, macht er vor allem der politischen Linken. Die ursprüngliche marxistische Kritik der kapitalistischen Wirtschaftsform sei durch das Ausleben perverser Sexualität ersetzt worden. Damit hat sich, kurz gesagt, die Linke dem Kapitalismus unterworfen. Als Beispiel nannte Jones besonders Michel Foucault, der nach eigener Aussage einen „Pakt mit dem Teufel“ geschlossen habe und der sich vom Marxismus zum Einsatz für Schwulenbefreiung und libertäre Kapitalismusbegeisterung umorientiert habe. Damit wurde Foucault nach Jones zum „Schutzpatron des dekadenten Westens“.

„Der Westen hat versagt, weil er sich von seinen eigenen geistigen Wurzeln entfernt hat“ schloß Jones die Analyse und bediente sich für den Ausblick biblischer Bilder. Wie die heiligen drei Könige, die auf ihrem Rückweg von Bethlehem sich nicht von Herodes fangen ließen, dürften Gegner der aufgezeigten Entwicklung „den herkömmlichen politischen Diskurs und dessen Kategorien nicht akzeptieren“ und sollten „obsolete politische Kategorien verlassen“. Die anschließende Diskussionsrunde belegte, daß der Referent ein „heißes Eisen“ angefaßt hatte und zu diesem Thema ein starker (Gegen-)Aufklärungsbedarf besteht.

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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