Emil Nolde-Ausstellung: Die Streitperson im NS-Expressionismusstreit

| 29. März 2016 | Kommentieren
Emil Noldes Bild "Hohe Sonnenblumen" wurde als Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Bundeskanzler Helmut Schmidt zur Verfügung gestellt (Aushang im Kabinettsaal). Bundesarchiv, B 145 Bild-F062676-0006 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0

Emil Noldes Bild „Hohe Sonnenblumen“ wurde als Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Bundeskanzler Helmut Schmidt zur Verfügung gestellt (Aushang im Kabinettsaal). Bundesarchiv, B 145 Bild-F062676-0006 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0

Alterswerk Noldes in Nordfriesland

Von Rüdiger Dietrich

Seebüll – Seit diesem Monat und noch bis Ende November andauernd zeigt die Nolde-Stiftung in Seebüll anlässlich ihres 60-jährigen Jubiläums eine Ausstellung zu Noldes umfangreichem Alterswerk, dessen Beginn man etwa ab 1940 datiert. Allein ab 1945 sind noch über 100 Ölgemälde entstanden. Nolde ist in der jüngeren Kunstgeschichte insbesondere deshalb interessant, da kein anderer wie er als Repräsentant des sogenannten Expressionismusstreits innerhalb der nationalsozialistischen Führung gilt und wohl auch wie kein Zweiter selbst zwischen den Stühlen seiner Kunst und vielleicht muss man sogar sagen auch seiner Politik in dieser Zeit stand. Der Museumsdirektor Christian Ring bezeichnete Noldes Spätwerk als ruhiger, stiller, epischer und romantischer. „Es geht um Emotionen und das Zwischenmenschliche und die Farben werden intensiver“, erklärte Ring. In besagter Ausstellung zeigt die Stiftung im früheren Wohnhaus des Künstlers 178 Exponate, darunter 50 Gemälde, 87 Aquarelle sowie Zeichnungen und 20 Graphiken.

Emil Nolde wurde am 7. August 1867 als vierter Sohn des Bauern Niels Hansen und seiner Frau Hanna Christine im Dorf Nolde nahe Tondern im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Mit 17 Jahren beginnt er eine Lehre als Holzbildhauer und Zeichner in der Sauermannschen Möbelfabrik und Schnitzschule in Flensburg. Später besucht er die Malschule von Friedrich Fehr – die Münchner Akademie unter Franz Stuck lehnte ihn ab -, danach wechselt er an die Hölzel-Schule in Dachau. 1899 reist er nach Paris, besucht die Akademie Julian und betreibt eigene Studien im Louvre. Im Februar 1902 heiratete er die jungen dänischen Schauspielerin Ada Vilstrup. m Zuge seiner Vermählung legt er seinen Namen Hansen ab und benennt sich nach seinem Geburtsort Nolde. Bis Ende 1907 ist Nolde Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ und begegnet in Berlin Edvard Munch. Er wird Mitglied der Berliner Secession, wird allerdings nach einer Auseinandersetzung mit dem Präsidenten der Berliner Secession Max Liebermann, weswegen ihn zuweilen Antisemitismus unterstellt wurde, ausgeschlossen und tritt der „Neuen Sezession“ bei. 1920 kommt Nordschleswig mit Utenwarf zu Dänemark und Nolde wird dänischer Staatsbürger.

1934 wird Nolde Mitglied der „Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig“ (NSAN), einer Organisation der deutschen Volksgruppe im dänischen Grenzbereich, die im Jahr darauf mit anderen Gruppierungen durch die Gründung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Nordschleswig“ (NSDAPN) gleichgeschaltet wurde. Zu Beginn der nationalsozialistischen Regierungszeit erfuhr der Expressionist Nolde von Teilen der neuen Machthaber mit seiner Kunst und seinen kunstpolitischen Einstellung Wertschätzung. So veranstaltete beispielsweise 1933 der NS-Studentenbund eine Ausstellung mit seinen Werken sowie auch Joseph Goebbels und Albert Speer zu den Förderern von Nolde zählten, die im Expressionismus einen Ausdruck deutsch-nordischer Kunst sahen. Diese konträren Positionen zum Expressionismus standen sich bin in das Jahr 1937 hinein gegenüber, bis sich die Gegner dieser damals modernen Kunstrichtung durchsetzten, wodurch Noldes Werke letztendlich in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt wurden.

Die Ausstellung zeigt, dass Emil Nolden sowohl seinem Farbenrausch, als auch seinen bevorzugten Motiven von Menschen, Landschaften, Meer und Blumen über Phantastischem bis hin zum Grotesken bis zum Schluss treu blieb. Beispielgebend hierfür kann dies in der nordfriesischen Ausstellung am Bildnis „Glühender Abendhimmel“ von 1945 oder der Tier-Allegorie „Triumph der Weisheit aus dem Jahr 1946 nachvollzogen werden. Unter anderem werden ebenso „Freundinnen“, ein Doppelporträt zweier Frauen, aus dem selbigen Jahr oder das 1939 entstandene „Ochsen am Morgen“ gezeigt. Zudem sind neben den Ölgemälden in mehreren Kabinetten Arbeiten auf Papier gezeigt. Die Ausstellung ist einschließlich Feiertagen montags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt regulär 8,- €. Doch auch außerhalb Seebülls kann man die großartige Kunst Emil Noldes genießen, in diesem Jahr zum Beispiel in einer wunderschön gehängten Retrospektive im Stockholmer Museumsjuwel Prins Eugen Waldemarsudde oder in der Villa Mondriaan im niederländischen Winterswijk.

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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