Erdogans erneuter Dolchstoß gegen Rußland

| 28. August 2016 | Kommentieren

Zur Dscharabulus -Offensive in Nordsyrien

Die Lage des Gouvernements Aleppo in Nordsyrien

Die Lage des Gouvernements Aleppo in Nordsyrien

Von Ruedi Strese

Dscharabulus – Spätestens mit dem offenen Einfall in Syrien am Mittwoch hat sich die türkisch-russische Annäherung als Nebelkerze erwiesen. Was als Offensive gegen den „Islamischen Staat“ verkauft wird, entpuppt sich als Angriff gegen Syrien und Verrat an Rußland.

Zeitlich begann das Rollen der türkischen Panzer auf syrisches Territorium, nachdem sich die Kräfte des Islamischen Staates aus der Region um die zum Gouvernement Aleppo gehörende Stadt Dscharabulus bereits weitgehend zurückgezogen hatten und einen Tag, nachdem die dort erfolgreichen kurdischen Kräfte der PYG/YPG mit den syrischen Regierungstruppen einen Waffenstillstand geschlossen hatten und die PYG erklärt hatte, daß sie jedes Ergebnis einer lokalen Abstimmung über die territoriale Zugehörigkeit der kurdisch dominierten Region Nordsyrien anerkennen würde.

Zwar waren die kurdischen Truppen bislang von den USA unterstützt worden, jedoch hatte US-Vizepräsident Joe Biden, der ausgerechnet am Tag des Beginns der Offensive in der Türkei angekommen war, den Kurden erklärt, um weiter von den USA unterstützt zu werden, müßten sie sich nach den Wünschen Erdogans richten. Zuvor hatten die Kurden jedoch Gebiete von türkisch gestützten islamistischen „Rebellen“, welche der „Freien Syrischen Armee“ zugerechnet werden, erobert und sich somit gegen türkische wie US-amerikanische Interessen gestellt.

Damit stellt der Angriff der türkischen Truppen nicht nur eine illegale Invasion Syriens dar, sondern auch eine klare Parteinahme für die USA, denen die Türkei angeblich den Rücken gekehrt haben soll, und ein Verrat an den russischen „Freunden“. Allerdings verhielt sich Rußland bislang ungewöhnlich zurückhaltend. Auch auf den Gesprächen in Genf, auf welchen sich US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow zur Beratung über Syrien trafen, scheint eine direkte Verurteilung des türkischen Vorgehens nicht stattgefunden zu haben. Man macht gute Miene zum bösen Spiel, denn Rußlands Interesse an einem stabilen Syrien unter Assad ist eindeutig.

Eine klare Verurteilung kam von der einzig politisch legitimen Macht auf syrischem Territorium, nämlich der syrischen Regierung. Letztlich läßt sich feststellen: es hat nicht lange gedauert, daß Recep Tayyip Erdoğan, der die USA beschuldigt hatte, hinter dem gescheiterten Putsch zu stehen und sich in Moskau Putin zuzuwenden drohte, diesem erneut in den Rücken gefallen ist und somit keinen Zweifel mehr daran läßt, daß er fest im Lager der NATO und des islamistischen Terrorismus verankert ist.

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Kategorie: Allgemein, Außenpolitik

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