Evangelische Kirche fordert verbindlichen Islamunterricht

| 27. Mai 2016 | Kommentieren

Prävention gegen Radikalisierung

KoranVon Torsten Müller

Hannover – Die zunehmende Rekrutierung junger Islamisten hat nun auch die Evangelische Kirche auf den Plan gerufen. Die bisherige Verharmlosungsstrategie wird den problematischer werdenden Verhältnissen nicht mehr gerecht, was mittlerweile auch die Spitze der EKD realisiert hat. EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm forderte nun einen flächendeckenden Religionsunterricht für Muslime, um sie widerstandsfähiger gegen Lockrufe von Islamisten und Salafisten zu machen.

Die Zahl junger Muslime ist durch den massiven Asyl- und Flüchtlingszustrom des letzten Jahres erneut deutlich angestiegen. Laut einer Studie der Deutschen Islam Konferenz (DIK) müsste ein Unterrichtsangebot für rund 650.000 muslimische Schüler unter 18 Jahren geschaffen werden. Die Kultusministerkonferenz geht davon aus, dass unter den Asylbewerbern rund 20 bis 30 Prozent im schulpflichtigen Alter sind, was zur Folge hat, dass hunderttausende weiterer Muslime in die deutschen Schulen strömen.

Bedford-Strohm sieht in einem verbindlichen Religionsunterricht für Muslime den Versuch, sie immun gegen Fundamentalismus zu machen. Bedford-Strohm dazu weiter: „Sie können zugleich Neues über den Islam lernen – und das auf dem Boden des Grundgesetzes.“ Auch Ismail Yavuzcan vom Lehrstuhl Islamische Theologie in Tübingen sieht verbindlichen Islamunterricht als wichtigen Baustein gegen „religiösen Analphabetismus“ und das Abgleiten in Extremismus.

Ein bisher dem Vorschlag Bedford-Strohms entgegenstehendes Problem ist das Fehlen verbindlicher Ansprechpartner. Dafür müssten jedoch „die Muslime in Deutschland sich so aufstellen, dass es klare Ansprechpartner für den Staat gibt“. Dazu sagte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU): „Derzeit gibt es aus meiner Sicht keine zufriedenstellende Lösung.“

Hinzu kommt die Problematik, dass viele islamische Glaubensgemeinschaften und Moscheevereine vom Verfassungsschutz beobachtet werden, die dadurch wenig geeignet erscheinen, den Unterricht an deutschen Schulen zu organisieren. Auch gibt es nur wenige deutschsprachige Lehrer, was zur Folge hätte, dass vor allem Imame und Religionslehrer aus dem Ausland in Deutschland unterrichten müssten. Dies wiederum würde als Problem mit sich bringen, dass nicht sichergestellt werden kann, dass der Islamunterricht nicht selbst zur Rekrutierung von Islamisten instrumentalisiert wird.
Dann würde die vermeintliche Problemlösung weitere Probleme mit sich bringen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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