EZB geht zur Vorabzeichnung ganzer Pfandbriefemissionen über

| 14. April 2016 | Kommentieren
Teile der Union kritisieren Nullzinspolitik von Mario Draghi

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Pfandbriefe

Von Hans Driesch

Frankfurt a. M. – Der boomende deutsche Immobilienmarkt schlägt nun auch deutlich auf das Geschäft mit Pfandbriefen durch: Nach Angaben des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) ist das Volumen der Neuemissionen im Pfandbriefbereich von rund 46 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf mehr als 58 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Die letzte Steigerung des Neuemissionsvolumens hatte es im Jahr 2008 gegeben. Der Bestand an umlaufenden Pfandbriefen hingegen verringerte sich von 403 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 385 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Auf der Jahrespressekonferenz des VDP am 11.4.2015 in Frankfurt am Main machte Verbandspräsident Jan Bettink auch auf einige ungewöhnliche Umstände aufmerksam, die das Marktgeschehen derzeit prägen. So sei es mittlerweile normal geworden, dass die Europäische Zentralbank nicht nur am Markt befindliche Pfandbriefe kaufe, sondern ganze Neuemissionen vorab zeichne.

Obwohl dies natürlich den Pfandbriefabsatz ankurbelt, ließ Bettink deutliche Kritik am Verhalten der EZB durchklingen: Die Ankaufpolitik der EZB verdränge andere private Anleger wie beispielsweise Versicherungen aus der Anlageklasse Pfandbriefe, auch wenn dieser Prozess sich nur schwer quantifizieren lasse, außerdem benötige der Markt in der derzeit guten Verfassung die Käufe gar nicht. „Ich halte diese Käufe grundsätzlich für falsch“ stellte Bettink unmissverständlich klar. Bettink räumte auch ein, dass die Liquidität am Pfandbriefmarkt durch die EZB-Käufe rückläufig sei, was aber nichts an der grundsätzlichen Existenz und Funktionsfähigkeit des Pfandbriefmarktes ändere. Eine weitere ungewöhnliche Entwicklung am Pfandbriefmarkt sind die derzeit sehr niedrigen Renditen der Papiere.

Die Berliner Hyp hatte beispielsweise Anfang März dieses Jahres für Aufsehen in der internationalen Finanzwelt gesorgt, als sie eine Anleihe mit einer Negativrendite von – 0,162 Prozent herausgegeben hatte. Trotz des Negativzinses hatte die Berliner Hyp das Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro problemlos am Markt absetzen können. Der Vorgang hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil hier erstmals ein öffentlich ausgeschriebener Pfandbrief mit Negativzins auf den Markt gebracht worden war.

Pfandbriefe sind durch eine Deckungsmasse besichert und die Haftung schließt zusätzlich das gesamte Vermögen der emittierenden Bank ein, was den Pfandbrief von forderungsbesicherten Wertpapieren unterscheidet. Pfandbriefe gelten deshalb als besonders sicher. Die letzte Insolvenz einer Pfandbriefbank verzeichnete Deutschland im Jahr 1901.

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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