Finanzierungskonditionen im Wandel

| 15. August 2016 | Kommentieren

Kreditwirtschaft im Spannungsfeld der Regulierungspolitik

geldRüdiger Dietrich

Berlin – Aus einer auf der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage beruhenden aktuellen Auswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geht hervor, dass die Unternehmen überwiegend mit der Finanzierungssituation zufrieden sind. Der Sonderauswertung „Finanzierungszugang der Unternehmen – Sommer 2016“ zufolge benötigen 30 % der Unternehmen derzeit kein Fremdkapital. Anders als bei der kreditnehmenden Wirtschaft erhöhen sich jedoch bei den Kreditinstituten im Lichte der Baseler Regulierungen die Bedenken. Nicht zuletzt aber auch aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und niedrigen Margen sowie den mit der Digitalisierung verbundenen Anforderungen. So schätze die Finanzwirtschaft ihre Geschäftslage mittlerweile deutlich schlechter ein als zu jedem Zeitpunkt in den vergangenen sechs Jahren, berichtete der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier, demzufolge das Kreditgewerbe die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten in einem Maße pessimistisch sieht, dass deren Erwartungen zwischenzeitlich sogar schlechter ausfallen als in der Finanzkrise 2008.

Die Festlegung einer Leverage Ratio (Gesamtverschuldungsquote) und einer Net Stable Funding Ratio (langfristigen Liquiditätskennzahl) für Finanzinstitute kann negative Auswirkungen auf die Fristentransformation und damit auf die Ertragsmöglichkeiten der Finanzinstitute haben und somit mittelfristig den Finanzierungszugang der Unternehmen erschweren. Zwar scheint aus Unternehmenssicht vielfach die noch günstige Finanzierungssituation vorhandene Nachteile wie beispielsweise bei Guthabenzinsen bzw. steigende Pensionslasten zu überlagern, doch deuten sich bei der Exportfinanzierung der Industrie negative Auswirkungen auf den Finanzierungszugang der gewerblichen Wirtschaft an. Die bestehenden Möglichkeiten der staatlichen Ausfuhrgewährleistungen für die Absicherung mittelständischer Exporte und die Verbriefungsmöglichkeiten für die längerfristige Refinanzierung von kurzfristigen Exportkrediten reichen anscheinend nicht aus, die fehlende Planungssicherheit der Kreditwirtschaft aufgrund der anstehenden Entscheidungen bei Basel III und Basel IV auszugleichen. Bei ohnehin schwieriger Ertragslage in der Niedrigzinsphase könnte Basel IV zur Folge haben, dass der Spielraum der Finanzinstitute bei der Finanzierung von Investitionen der gewerblichen Wirtschaft allgemein spürbar geschmälert wird.

Die Wirkungen der engmaschigen Regulierungen auf den Kreditzugang gerade für mittelständische Betriebe seien laut dem stellvertretenden DIHK-Hauptgeschäftsführer genau im Blick zu behalten. „Zudem“, so Volker Treier weiter, „könnte eine Ausweitung der Gewährung von Bürgschaften und Garantien den KMU einen Weg zum Kapitalmarkt als Alternative zur bankbasierten Finanzierung öffnen.“ – Noch ist die Wirtschaft am Laufen, doch die potentiellen Sollbruchstellen treten zunehmend sichtbarer zutage…

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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