Flüchtlinge: versklavt, gefoltert, rausgeschmissen?

| 12. April 2016 | Kommentieren
Auf der Burg Cachtice soll Elisabeth Báthory gemordet haben – wiederholt sich die Geschichte?

Auf der Burg Cachtice soll Elisabeth Báthory gemordet haben – wiederholt sich die Geschichte?

Das Horrorschloß im Burgenland (Satire)

Von Ruedi Strese

Bruckneudorf – Wenn wir etwas vom Leben auf einem Schloß hören, denken die meisten von uns an ein Leben in Glück und Luxus, an elegant gekleidete Prinzessinnen, gepflegte Gärten und eine mit erlesenen Köstlichkeiten gedeckt Tafel. Für eine Gruppe von Flüchtlingen wurde es jedoch zu einem schrecklichen Albtraum.
Dabei fing alles ganz harmlos an. Die Gemeinde Bruckneudorf im österreichischen Burgenland sollte 350 Asylbewerber in einer Massenunterkunft aufnehmen. Kein schöner Gedanke, soviele Menschen auf engem Raum unterbringen zu müssen. Da erschien das Angebot einer lokalen Schloßbesitzerin wie ein Geschenk des Himmels, denn diese stellte kurzerhand ihr Schloß zur Verfügung und schuf so eine angenehme Unterkunft für 50 Asylbewerber.

Dachte man. Doch jetzt haben die meisten der Asylbewerber das Schloß verlassen. Es scheint, sie seien gleichzeitig rausgeworfen und befreit worden und geflohen. „Die syrischen Männer werfen der Frau vor, sie ausgenutzt und für Arbeiten auf dem Grundstück missbraucht zu haben“ lesen wir im österreichischen Kurier. Zwangsarbeit? Frondienst für eine scheinbare Menschenfreundin, die sich nach mittelalterlicher Gutsherrenart aufführt und die Notlage von Flüchtlingen ausnutzt?

Manche befürchten mittlerweile Schlimmeres. Was, wenn ein Syrer keine Lust hatte, den Garten umzugraben? „Gutsbesitzer können grausam sein“ stellt der Historiker Benzknopf fest und verweist auf die Beispiele des Gilles de Rais, des früheren Mitstreiters der Jeanne d’Arc, der als Satanist auf seinem Schloß Kinder totquälte, oder die berüchtigte Blutgräfin Elisabeth Báthory, welcher nachgesagt wird, in Jungfrauenblut gebadet zu haben, um ewige Jugend zu erlangen.

Nun sind die Flüchtlinge endlich befreit. „Wir wollen, dass die Leute hierbleiben, weil wir ein gutes Verhältnis haben“ sagt Bürgermeister Gerhard Dreiszker – dies klingt etwas zynisch angesichts des nackten Grauens, welche die Männer auf dem Horrorschloß durchmachen mußten. Ob einige vielleicht sogar über die Heimreise nachdenken? Doch ihre Traumata werden ewig bleiben. Der Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Christian Hanel, freut sich dennoch vorerst, „dass die Männer jetzt wieder in Frieden leben können. Die Syrer waren ziemlich verzweifelt, als wir sie dort rausgeholt haben, aber jetzt geht es ihnen wieder gut“. Es muß der blanke Horror gewesen sein.
Die Verteidigung der Schloßherrin klingt dementsprechend fadenscheinig. „Das stimmt alles nicht, die Jungs haben keinen Handgriff gemacht und mich sogar drei Wochen lang angebettelt, ihnen die Glühbirne auszuwechseln“, erzählt die Schloßherrin dem Kurier. „Sie habe die Männer nicht mehr ertragen, „weil sie lügen, mir Geld gestohlen haben und Unwahrheiten verbreiten“.“ Ach ja? Den Beweis dafür, daß sie die Männer nicht mit der Peitsche in der Hand zu schwersten Arbeiten gezwungen hat, bleibt sie allerdings schuldig. Auf die Andeutungen des Historikers Benzknopf geht sie mit keinem Wort ein. Sie wird wissen, warum.

Verweise:
http://m.kurier.at/chronik/burgenland/syrer-aus-schloss-verwiesen/192.036.000

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Kategorie: Allgemein, Satire

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