Folgt dem Trump-Phenomenon das Hofer-Phänomen in Österreich?

| 23. November 2016 | Kommentieren

„Keinen radikalen Zuwanderungs-Islamismus“

Norbert Hofer, Foto: facebook.com/norberthofer2016

Norbert Hofer, Foto: facebook.com/norberthofer2016

Von Reinhold Meier

Wien – Konservativ wird wieder en vogue, man sehnt sich offenbar wieder nach bewährten Werten, die Orientierung geben. Und wer weiß, ob ein zunehmend erstauntes Establishment nach dem Brexit und dem Trump-Phenomenon nicht auch noch das Hofer-Phänomen in Österreich zu bestaunen haben wird. Dort steht in Kürze die Wiederholung der Wahl für das Amt des Bundespräsidenten an. Und das Gefühl „Einer gegen den Rest“ könnte kaum mehr Realitätsnähe aufweisen, als in Österreich, stellt doch im Duell des freiheitlichen Norbert Hofer gegen den grünen Alexander Van der Bellen Letzterer tatsächlich eine Art „Rest-Kandidat“ der zur FPÖ übrigen Parteienlandschaft dar. Erst vor Kurzem trafen die beiden Kandidaten bei Puls4 aufeinander und kreuzten die Argumente. Laut dem Ergebnis einer Abfrage des Meinungsinstituts OGM von 500 Personen, die die Sendung verfolgten, war die überwiegende Meinung, dass Norbert Hofer bei der Debatte am besten zu überzeugen vermochte. Interessant war, dass das Thema „Öxit“ nicht wenig Raum in der Sendung einnahm, aber auch hier der freiheitliche Kandidat nicht mit Extremforderungen, sondern abgewogenen, aber bestimmten Positionen auftrat.

Eine brüssellastige Haltung des grünen Van der Bellen überraschte nicht, vielmehr wird Hofer die Position der Scharfmacher gegen ihn mit seiner differenzierten Betrachtungsweise geschwächt haben. Hofer verschwieg die Probleme innerhalb der Europäischen Union nicht, aber sprach von der Verantwortung, diese wieder zu einer Union für die Menschen weiterzuentwickeln. Für nicht tragbar kennzeichnete er konkret eine fortschreitende Zentralisierung oder beispielsweise einen Türkei-Beitritt. Und auch für diesen Fall spricht sich Hofer für die basisdemokratische Vorgehensweise einer Volksabstimmung aus. Im Gegensatz zu Van der Bellen befürwortet Hofer eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarländern, insbesondere mit den „Visegrad“-Staaten. Ohne sich blind zum Erfüllungsgehilfen Brüssels zu machen, gibt der Freiheitliche das Projekt Europa keineswegs verloren.

Starke Kritik übte Hofer an den in seinen Augen gesetzeswidrigen Doppelstaatsbürgerschaften für Türken in Österreich sowie an der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die mit ihrer Willkommenspolitik einen großen Fehler gemacht hätte. „Ich will keinen radikalen Zuwanderungs-Islamismus“, stellte Hofer eindeutig klar. Diese Aussage ist unmissverständlich, aber sicherlich nicht annähernd so undemokratisch radikal, als die Feststellung Van der Bellens, er würde als Bundespräsident eine FPÖ nicht einmal dann mit der Regierungsbildung beauftragen, selbst wenn diese als stimmenstärkste Partei aus einer Wahl hervorginge. Kein Wunder, dass Van der Bellen nach wie vor das Loblied auf Hillary Clinton sang. Hofer hingegen vertrat den Standpunkt: „Demokratische Wahlergebnisse müssen akzeptiert werden und wir werden in den nächsten Wochen sehen, wie sich Trump als Präsident so anstellt.“

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Kategorie: Allgemein, Politik

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