„Frauentausch“ – Ein zweifelhafter Dauerbrenner des Privatfernsehens ändert die Regeln

| 15. April 2016 | Kommentieren

800px-Logo_Frauentausch.svgDer Preis ist heiß: Wer wird „Tauschmutter der Woche“?

Von Karl Buckatz – Magdeburg

Seit nunmehr 13 Jahren läuft bei RTL II die Serie „Frauentausch“. Dieser Fakt allein ist eigentlich kaum nachzuvollziehen. Ebenfalls nicht vorstellbar ist es, dass sich nach all den öffentlich vorgeführten Blamagen immer noch Familien finden, die an diesem Spektakel teilnehmen wollen.

Am Geld kann es nicht liegen, die Prämie steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Sozial schwache Mitspielerinnen müssen überdies damit rechnen, dass die wenigen Scheine mit dem Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) verrechnet werden. Was treibt also Mütter (und Väter) dazu, sich den Strapazen auszusetzen?

Da gibt es die Ehefrau, deren Beziehung kriselt und die sich erhofft, auf diese Weise Abwechslung in ihren langweiligen Alltag zu bekommen. Es kommen aber auch Darsteller vor die Kamera, die sich scheinbar überhaupt keine Gedanken gemacht haben, was sie sich und ihrer Familie gerade antun. Die Macher von RTL II haben keinerlei Hemmungen, selbst offensichtlich geistig behinderte Personen ins Scheinwerferlicht zu stellen. Und dies ohne Rücksicht darauf, dass auch die Kinder mitspielen müssen und damit den Gehässigkeiten ihrer Mitschüler ausgesetzt werden.

Was die Lage für die Betroffenen noch verschärft, sind die zahlreichen Wiederholungen, mit denen der Privatsender sein Programm beinahe täglich füllt. So werden selbst nach Jahren verdreckte Wohnungen und peinliche Auftritte immer wieder vorgeführt, obendrein sind viele Szenen im Netz abrufbar. Einen Höhepunkt – oder besser: Tiefpunkt – erreichte „Frauentausch“ mit der Folge 198 im Jahr 2009. Hier wurde eine Familie aus dem anhaltischen Zerbst derart präsentiert, dass es im Anschluss zu einer Demonstration empörter Bürger kam. Leider richtete sich der Protest gegen die Familie (die unter Polizeischutz gestellt werden musste) und nicht gegen den Sender.

Es sind jedoch nicht nur traditionelle Familien und damit Frauen, die für 10 Tage ihr Leben ins Fernsehen bringen. Explosiv wird es, wenn eine Homosexuelle in den Haushalt eines türkischen Machos zieht, der sich dann in einer Art und Weise äußern darf, wie man es der einheimischen Bevölkerung (zumindest in der Öffentlichkeit) gern verbieten möchte. Wenn jedoch Kinder sich beim Anblick eines solchen Paradiesvogels erschrecken und in Tränen ausbrechen, kommt der Unterschied zwischen „normal“ und „unnormal“ für jeden Betrachter offen zum Vorschein. Und es stellt sich die Frage nach Sinn und Ziel der seit Jahrzehnten ablaufenden gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen.

Den Redakteuren wird immer wieder mal vorgeworfen, sie würden in den Ablauf der Handlungen eingreifen und Dialoge vorgeben. Daran dürfte was dran sein, denn immer nur der gegenseitige Blick ins Klo oder auf die in Szene gesetzten Fusseln unter dem Bett wird auf die Dauer langweilig. Und für ungewöhnliche Folgen wie der, in der es Einblicke in das Leben einer in Deutschland ansässigen Roma-Familie gab, interessieren sich eher Völkerkundler als Fernsehzuschauer.
Da auch die gegenseitigen Beleidigungen oder das Abschluss-Gekeife gereizter Frauenzimmer in den letzten Monaten immer geringere Einschaltquoten brachten, haben sich die Redakteure von RTL II dazu entschlossen, die Regeln der Doku-Soap zu ändern. Es darf ab jetzt miteinander gechattet werden und für eine der beiden Protagonistinnen gibt es am Ende eine Traumreise zu gewinnen.

Mit der in Artikel 1 des Grundgesetzes verankerten „Würde des Menschen“ wird die Serie auch künftig wenig zu tun haben. Ein Trost bleibt: Wenigstens müssen die Bürger keine Zwangsgebühren für den Privatsender und seine Machwerke entrichten!

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Kategorie: Allgemein, Unterhaltung

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