Fußball im Visier von Terroristen?

| 26. März 2016 | Kommentieren
Helmut Spahn / Press Conference/ICSS Security Expert Summit Vienna 2013; Copyroght: ICSS/Christian Hofer, 16.5.2013

Helmut Spahn / Press Conference/ICSS Security Expert Summit Vienna 2013; Copyroght: ICSS/Christian Hofer, 16.5.2013

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Von Torsten Müller

Hannover – Nicht erst seit der Absage eines Fußballländerspiels im vergangenen Jahr in Hannover ist bekannt, dass Fußballspiele und andere große Sportereignisse eine besondere Anziehungskraft auf potentielle Terroristen ausüben könnten. In Paris kam es am 13. November des letzten Jahres auch in der unmittelbaren Umgebung des Stadions, in dem das Fußballländerspiel zwischen Deutschland und Frankreich ausgetragen wurde, zu einer Explosion. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden seither vielerorts weiter erhöht.

Vor dem Spiel zwischen Deutschland und England am Ostersonnabend sagte Helmut Spahn, der Direktor des Instituts für Sportsicherheit in Katar: „Man kann natürlich nie ausschließen, dass es wieder nachrichtendienstliche Erkenntnisse gibt, wie es in Hannover der Fall war, die eine Reaktion der Sicherheitsbehörden erfordern. Aber das glaube ich aktuell nicht und ich hoffe und wünsche es auch nicht.“

Der Fußball steht laut Spahn besonders im Fokus potentieller Terroristen: „Es macht keinen großen Unterschied, ob es um ein Fußballspiel oder eine andere Sportveranstaltung geht. Die latente terroristische Bedrohung ist hoch, aber ich denke nicht, dass sie etwa durch die Anschläge von Brüssel weiter signifikant gestiegen ist. Man muss allerdings sehen, dass der Fußball gerade hier in Europa besonders im Fokus steht und medial sehr aufmerksam begleitet wird.“

Es sei auch die Aufgabe der Sicherheitsbehörden, zwischen ernst zu nehmenden Hinweisen und den „Terrordrohungen“ von Wichtigtuern zu unterscheiden: „Das konnte man auch im Herbst in Hannover sehen. Auch da gab es natürlich Trittbrettfahrer, die bei der Polizei angerufen haben. Die Informationen, die schlussendlich zur Spielabsage geführt haben, kamen jedoch von unterschiedlichen Geheimdiensten. Das hat zu einer Entscheidung geführt, die an diesem Abend nicht anders zu treffen war – auch wenn man über die Art und Weise der Kommunikation streiten kann.“

Spahn geht allerdings davon aus, dass neuralgische Punkte deutlich gefährdeter als Fußballstadien sind: „Die Stadien sind grundsätzlich sehr sicher. Durch die langjährige Erfahrung und die sehr professionellen Sicherheitskonzepte sind diese gut geschützt. Das größere Problem im Bereich der terroristischen Bedrohung sind nicht Sportveranstaltungen an sich, sondern der nicht komplett zu sichernde öffentliche Raum. Die neuralgischen Punkte sind eher andere öffentliche Plätze, Bahnhöfe oder Flughäfen. Das haben wir ja in Brüssel leider wieder sehen müssen.“

Der Sicherheitsexperte weist auch darauf hin, welche Folgen die immer weiter verbreitete Angst vor dem islamischen Terrorismus haben könnte: „In diesem Kontext sehe ich auch die Aussage über die Spiele in leeren Stadien – nicht als aktuellen Plan, sondern als absolutes Worst-Case-Szenario.“
Dann hätten die Terroristen allerdings einen Sieg errungen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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