GDL-Streik legt Deutschland lahm

| 20. Oktober 2014 | Kommentieren

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Deutsche Bahn, Foto: Erich Westendarp  / pixelio.de

Deutsche Bahn, Foto: Erich Westendarp / pixelio.de

Kurz nach dem Ende des letzten Streiks haben die Lokführer der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihre Arbeit erneut niedergelegt. Diesmal für ganze 50 Stunden. Fast alle Züge im Nah- und Fernverkehr stehen still. Die Bahn ist kaum in der Lage, einen angemessen Ersatzfahrplan zu kreieren. Das Verständnis bei Bürgern und Fahrgästen dürfte nun sinken, haben sich die Lokführer doch ausgerechnet ein Wochenende ausgesucht, in dem in sieben Bundesländern die Ferien beginnen. Die Folge sind völlig überfüllte Autobahnen. Gestreikt wird einerseits für mehr Geld, andererseits aber auch dafür, dass die GDL-Spitze um Claus Weselsky künftig auch die Zugbegleiter vertreten und damit die eigene Machtbasis erweitern kann. Auch ist seitens der GDL angestrebt, der konkurrierenden Gewerkschaft EVG durch besonders kämpferisches Auftreten Mitglieder abspenstig zu machen. Weselsky selbst gibt sich ausschließlich als Interessenvertreter der Lokführer, obwohl offenbar auch eigene Führungsinteressen im Spiel sind: „Sollen wir vielleicht, weil die Bahn uns nichts zugestehen will, einfach klein beigeben? Sollen wir nach Hause gehen und unseren Mitgliedern mitteilen, es gibt keine Lohnerhöhung, es gibt keine Beendigung der Überstundenbelastung, weil wir Angst vor irgendwem haben?“ Profiteur des kaum noch zumutbaren Streiks könnten letztlich nicht die Lokführer sein, sondern die Arbeitgeber, die schon lange auf einen flächendeckenden Tarifvertrag drängen. Dies wäre der Bumerang für so manche Kleingewerkschaft. Das will Weselsky bisher nicht einsehen, er sieht sich und seine Gewerkschaft einer massiven, von der Deutschen Bahn initiierten Medienhetze ausgesetzt. So sagte er: „Ich überlege mir momentan jedes Wort, weil bei der Medienkampagne, die teilweise schon Medienhetze ist, muss man eben besonders vorsichtig sein in seinen Ausführungen.“ In Berlin wird im Arbeitsministerium bereits an einem Gesetzentwurf für die Neuregelung der Tarifeinheit gearbeitet. Das Ministerium von Andrea Nahles (SPD) lässt sich viel Zeit, weil bereits mehrere Klagen beim Bundesverfassungsgericht angedroht wurden, unter anderem von Weselsky, der dazu sagt: „Es sollte niemand glauben, dass wir die Instanzenwege durchmarschieren müssen, um am Ende des Tages vorm Verfassungsgericht zu landen.“ Wenn es bei den Streikaktivitäten tatsächlich nur um die Arbeits- und Lohnbedingungen der Arbeitnehmer ginge, wären die Streiks absolut verständlich. Aber leider spielen bei nahezu sämtlichen Streikmaßnahmen vor allem auch die Machtinteressen der Gewerkschaftsbosse eine entscheidende Rolle, was letztlich nicht dazu führt, dass die betroffenen Verbraucher (in diesem Fall die Fahrgäste) großes Verständnis für die Streiks haben.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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