Gunther Schnabl: Politik des billigen Geldes in Japan hat versagt!

| 5. April 2016 | Kommentieren
Gunther Schnabl, Bild: http://www.wifa.uni-leipzig.de

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Geldpolitik

Von Hans Driesch

Tokio – Ist die von den Zentralbanken in Japan und der Europäischen Währungsunion verfolgte Politik der Liquiditätsfluten, des Nullzinses und der billigen Geldes nun eine Krankheit oder eine Medizin? Über kaum eine Frage können sich Wirtschaftswissenschaftler erbitterter streiten. In Japan freilich wird diese Politik schon erheblich länger verfolgt als in Europa, seit einem glatten Vierteljahrhundert nämlich, so dass hier nun auch erste auf langfristige Beobachtungen gestützte Urteile möglich werden. Der Leipziger Ökonom Gunther Schnabl, Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig, hat nun in einem langen Aufsatz in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der dort am 27. März 2016 unter der Überschrift „Langes Leiden unter billigem Geld“ erschien, ein negatives Fazit gezogen: „Denn trotz der Geld-Tsunamis ist die japanische Volkswirtschaft weder merklich gewachsen, noch hat sich Inflation gezeigt. Stattdessen ist die Staatsverschuldung explodiert, die Löhne sinken, und die Verteilungsungleichheit wächst.“

Schnabl referiert in dem Artikel nochmals den Japan-Boom in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, für den ebenfalls schon eine seit dem Jahr 1986 von der japanischen Notenbank betriebene ultralockere Geldpolitik verantwortlich zeichnete, und der im Dezember 1989 in der Nachricht gipfelte, dass dem Tokioter Kaiserpalast ein höherer Wert zugeschrieben wurde als dem ganzen US-Bundesstaat Kalifornien. Als die Zentralbank die Blase mit einer Zinserhöhung zum Platzen brachte, schlitterte das Land in eine schmerzhafte Rezession, was von der Notenbank im Frühjahr 1991 mit einer Rückkehr zur Niedrigzinspolitik beantwortet wurde. Eine weitere Wachstumsphase konnte Japan laut Schnabl seitdem nicht mehr generieren, stattdessen hätten sich zahlreiche negative Effekte eingestellt: „Strukturelle Verzerrungen werden zementiert, die notwendige Neuausrichtung der Produktionsstruktur bleibt aus. Weder das Absenken der Leitzinsen von 8 Prozent im Mai 1991 auf 0 Prozent im März 1999 noch das Aufblähen der Zentralbankbilanz um stolze 700 Prozent, noch ein Anheben der Staatsverschuldung auf 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts haben Japan die versprochene Erholung gebracht.“ Sogar auf globaler Ebene hätten die japanischen Geldmassen zu einer Chaotisierung des Geschehens an den Finanzmärkten geführt, so sind nach Schnabel auch die Asienkrise des Jahres 1997 und die Entstehung der im März 2000 geplatzten Dotcom-Blase unter anderem auf die Zuflüsse von japanischem Geld zurückzuführen.

In Japan selber erinnere die Entwicklung sogar an die Zeit der ost- und mitteleuropäischen Planwirtschaften, die das Streben nach Gewinn, Effizienz und Profitabilität gemindert hätten, um Arbeitslosigkeit vorzugreifen. Auch im ehemaligen Produktivitätswunderland Japan tendiere die Produktivität mittlerweile gegen Null, was Schnabl zu den hohen Kosten der schleichenden Unterhöhlung der marktwirtschaftlichen Ordnung des Landes zählt. Die Analyse des streitbaren und bekennenden Hayekianers Schnabl über das gescheiterte großökonomische Experiment der japanischen Nullzinspolitik wird sicherlich ihrerseits ebenfalls auf heftigen Widerspruch stoßen, wenn sie im Kern allerdings zutreffend ist, dann stehen auch der Euro-Zone schwierige Jahre und Jahrzehnte bevor.

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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