Haareföhnen unerwünscht – Venezuela ergreift drastische Maßnahmen gegen den Strommangel

| 16. April 2016 | Kommentieren
Flagge Venezuela

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Venezuela

Von Hans Driesch

Caracas – Es kommt nur äußerst selten vor, dass ein Land einfach per Regierungsbeschluss in eine neue Zeitzone wechselt. Dies war beispielsweise im vergangenen Jahr der Fall, als Nordkorea im August einfach für sich selbst eine neue Zeitzone definierte, um nicht mehr gemeinsam mit Japan eine Zeitzone zu teilen – die Uhren wurden einfach eine halbe Stunde vorgestellt. Nun will auch Venezuelas Präsident Nicolás Maduro seinem Land eine neue Zeitzone verordnen, um so Strom zu sparen. Momentan liegt Venezuela 6,5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Sommerzeit zurück, was genau daran geändert werden soll, will der sozialistische Politiker in den nächsten Tagen bekanntgeben. Die neue Zeitzone soll dann ab dem 1. Mai in Kraft treten. Flankierend soll in Venezuela ein ganzes Maßnahmenpaket den Energieverbrauch drücken, so sollen neben der Einführung der Vier-Tage-Woche im öffentlichen Dienst neue Feiertage geschaffen werden.

In der kommenden Woche soll das Konzept erstmals umgesetzt werden, wobei dann wegen eines schon bestehenden Feiertags nur noch gerade einmal zwei Arbeitstage übrigbleiben. Außerdem forderte der sozialistische Präsident die Frauen seines Landes auf, sich künftig nicht mehr die Haare zu föhnen. Als Grund für die drastischen Maßnahmen gibt Maduro den durch das Klimaphänomen El Nino ausgelösten Wassermangel im Guri-Stausee im Süden des Landes an, dem größten Stausee Südamerikas, der über 60 Prozent des Energiebedarfs des Landes deckt. Das am Guri-See gelegene Wasserkraftwerk „Simon Bolívar“ produziert normalerweise mit einer Kapazität von über 10 000 Megawatt, was der Leistung von rund sieben Atomkraftwerken entspricht. Neben dem Wassermangel im Stausee dürfte aber vor allem der seit Jahren niedrige Ölpreis, der trotz der Erholung der letzten Wochen klar unter seinem langjährigen Durchschnitt notiert, die Sparmaßnahmen in Venezuela nötig gemacht haben. Schon im vergangenen Jahr hatte die Investmentbank Goldman Sachs die Wahrscheinlichkeit für einen Staatsbankrott Venezuelas aufgrund des Niedergangs des Ölpreises für die höchste unter allen Ölförderländern eingestuft, da das Land auf einen Ölpreis von mindestens 117 Dollar pro Barrel angewiesen sei, um seinen Staatshaushalt auszugleichen.

Die venezolanische Opposition, die bei den Parlamentswahlen im vergangenen Dezember triumphiert hatte, will Marduro bis zum Herbst über ein entsprechendes Referendum des Amtes entheben lassen. Die reguläre Amtszeit des Präsidenten läuft noch bis ins Jahr 2019.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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