Hängt die Kostenexplosion mit der Asylkrise zusammen?

| 15. August 2016 | Kommentieren

Zusatzbeiträge der Krankenkassen

Dr. Doris Pfeiffer, Foto: gkv-spitzenverband.de

Dr. Doris Pfeiffer, Foto: gkv-spitzenverband.de

Von Torsten Müller

Die deutschen Krankenversicherten steuern auf empfindliche Beitragserhöhungen zu. Gesundheitsökonom Jürgen Wasem hat nun darauf aufmerksam gemacht, dass die Gesundheitsausgaben in Deutschland schneller als die Einkommen steigen. Deutschland hat mittlerweile eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt.

Wasem geht davon aus, dass sich die von den Krankenkassen geforderten Zusatzbeiträge in den kommenden vier Jahren mehr als verdoppeln werden. Die Krankenkassen erhalten pro Versichertem Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Schon jetzt beläuft sich die Lücke auf 14,4 Milliarden Euro, im Jahr 2020 werden es den Forschern um Wasem zufolge 36,7 Milliarden Euro sein.

Wasem steht mit seiner Prognose nicht alleine. Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte nun: „Der große Kostenanstieg rollt erst an.“ Seiner Ansicht nach seien im Gesundheitssystem größere Reformen als im Rentensystem erforderlich. Mit Blick auf die zahlreichen in der Amtszeit von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erfolgten Gesundheitsreformen sagte nun der Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik München, Günter Neubauer: „An den wesentlichen Strukturen jedoch wurde wenig geändert. Das ist ein Flickwerk.“

Die Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer, äußert ebenfalls Kritik: „Die Reformen der letzten Jahre haben sich nicht mit Einsparungen beschäftigt, sondern die Kosten erhöht. Das führt zu steigenden Zusatzbeiträgen.“

Ein nicht zu unterschätzender Kostenpunkt scheint mit der gesundheitlichen Versorgung von Asylbewerbern und Flüchtlingen einherzugehen. In den ersten 15 Monaten werden die diesbezüglichen Kosten von den Kommunen getragen. Auf welche Höhe sich die Kosten für die Krankenkassen belaufen, kann bisher noch nicht seriös beziffert werden.

Dass die Kosten gravierend sein dürften, belegt schon die Tatsache, dass die Bundesregierung den Gesundheitsfonds für die Finanzierung der medizinischen Versorgung von Asylbewerbern und Flüchtlingen anzapfen will.

Das deutsche Gesundheitssystem steht aufgrund der katastrophalen demographischen Entwicklung ohnehin auf wackeligen Beinen – durch den Asylzustrom wird es erst rechts ins Wanken gebracht.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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