Hans-Werner Sinn: Nehmt Draghi die Bazooka ab!

| 18. April 2016 | Kommentieren
Hans-Werner Sinn, Foto: A. Schellnegger, Quelle:  hanswernersinn.de

Hans-Werner Sinn, Foto: A. Schellnegger, Quelle: hanswernersinn.de

Hans-Werner Sinn

Von Hans Driesch

Frankfurt a. M. – Hans-Werner Sinn, der frühere Präsident des ifo-Instituts, hat sich wie erwartet nur in den Unruhestand verabschiedet, geht aber nach wie vor keiner Kontroverse aus dem Weg. Jetzt fühlte sich Hans Werner Sinn durch eine Stellungnahme von Marcel Fratzscher, dem Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zu einer Replik herausgefordert. Fratzscher hatte in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der dort unter dem Titel „Kritik an Draghi ist noch keine Lösung“ am 9. April 2016 erschienen war, den Kritikern der EZB-Politik unterstellt, diese hätten selbst keine Lösungsvorschläge für die Dauerkrise des Euro-Raumes anzubieten. Neben dem früheren EZB-Mitarbeiter Fratzscher hatten sechs weitere prominente Ökonomen den Meinungsbeitrag unterzeichnet, unter anderem die schweizerisch-italienische Wirtschaftswissenschaftlerin Beatrice Weder di Mauro, die fast zehn Jahre lang dem „Rat der Wirtschaftsweisen“ in Deutschland angehört hatte.

Sinn antwortete nun in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ am 17. April 2016 mit einem Beitrag, der unter dem Titel „Mario Draghi die Bazooka entreißen“ erschien und als dessen Co-Autor der Leipziger Hayekianer Gunther Schnabl genannt wird, der sich in der FAZ schon als profilierter Kritiker der japanischen Zentralbank und ihrer Nullzinspolitik gezeigt hatte. Sinn kritisiert in dem Artikel nochmals, dass es innerhalb des EZB-Systems möglich gewesen sei, „mit Hilfe von Krediten der Notenbanken durch nationale Geldschöpfung die Finanzierungslücken“ der südeuropäischen Staaten zu schließen. Diese Kritik hatte Sinn auch schon ausführlich in seinem 2012 erschienenen Buch „Die Target-Falle“ geübt. „Die Droge des billigen Geldes“, so Sinn und Schnabl in ihrem FAZ-Aufsatz, habe „die Allokationsfunktion des Zinses außer Kraft gesetzt“, so dass zunehmend Geld in eigentlich unrentable Projekte gesteckt werde. Verfolge die EZB diese Strategie weiter, dann werde am Ende des Weges die Zerstörung der Geldordnung stehen.

Um dies zu verhindern, schlagen Sinn und Schnabl vor, dass die Stimmgewichte im EZB-Rat die Haftungsanteile der beteiligten Staaten widerspiegeln sollten, da es nicht angehe, dass Deutschland mit einem Stimmgewicht wie Malta für ein Viertel der Investitionsrisiken hafte. Weiter soll nach Sinn und Schnabl für geldpolitische Entscheidungen, die eine starke fiskalische Wirkung haben, wie beispielsweise den Kauf von Staatsanleihen, künftig „eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 80 Prozent der Stimmen“ im EZB-Rat notwendig sein. Drittens wollen Sinn und Schnabl „die asymmetrische Kreditgewährung aus der Druckerpresse“ über das Target-System beenden, da es nicht angehe, „dass man unbegrenzt bei der Bundesbank anschreiben lassen kann, ohne jemals zur Tilgung gezwungen zu sein“. Am Ende ihres Artikels räumen Sinn und Schnabl ein, dass man ihre Reformvorschläge als „ein Entzugsprogramm für Drogensüchtige“ verstehen kann.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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