Hauptversammlung – Sanierungsfall Deutsche Bank?

| 20. Mai 2016 | Kommentieren
Deutsche Bank, Foto: Nordenfan

Deutsche Bank, Foto: Nordenfan

Deutsche Bank

Von Rüdiger Dietrich

Frankfurt a.M. – Das einst so renommierte Geldinstitut Deutsche Bank befindet sich seit geraumer Zeit im Dauerkrisenmodus und der Aktienkurs auf Talfahrt. Veränderungen auf der Vorstandsebene waren die Folge und auch Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner war auf der Hauptversammlung in Frankfurt ernstzunehmender Kritik ausgesetzt. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan soll nun Arbeitsplätze reduzieren, die Postbank verkaufen, Filialen schließen und das Kerngeschäft mit den Unternehmenskunden stabilisieren. Doch welche konkrete Zukunftsstrategie wieder Wachstum und steigende Aktienkurse generieren kann, scheint nach wie vor noch nicht abschließend festzustehen. 12,7 Mrd. € – und dies dürfte noch nicht das Ende sein – musste die Bank seit 2012 für Rechtsstreitigkeiten berappen. Der Verlust in 2015 betrug knapp sieben Milliarden Euro und die Investoren mussten neben sinkenden Aktienkursen auf ihre vormals gewohnten Dividendenerträge verzichten. Man muss sich nicht wirklich wundern, dass eine Richtlinie zur Boni-Regelung keine Mehrheit erhielt, wonach theoretisch der Chef des Investmentbankings, Jeff Urwin, bis zu über 13 Mio. € im Jahr hätte verdienen können.

Nichtsdestotrotz nagen die Deutsche-Bank-Vostände dennoch nicht am Hungertuch. Zwar werden in der gegenwärtigen Lage die 9,85 Mio. €, auf welche die Vorstandsgehälter gedeckelt wurden nicht erreicht werden, aber die Grundgehälter müssen keinen Vergleich scheuen. Während dies mit Ausnahme von John Cryan mit 2,4 Mio. € angesetzt ist, erhält der Vorstandschef mit garantierten 3,8 Mio. € das vergleichsweise höchste Grundgehalt unter den 30 Dax-Unternehmen. Dies zeigt, dass auch Krisenmanagement ein lukratives Unterfangen sein kann. „Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte“, wurde immerhin der Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der größten Anteilseigner des Instituts, zitiert. Nach den Personalwechseln auf Vorstandsebene wird unter den Großaktionären zunehmend auch der Ruf nach einem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats vernehmbar. Die Hauptverantwortung dürfte allerdings auf den Schultern von John Cryan lasten. „Eine Sanierung alleine hilft dem Aktienkurs nicht groß weiter. Wenn irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird, erwarten wir von Ihnen auch eigene strategische Impulse zur Weiterentwicklung der Bank“, äußerte Ingo Speich von Union Investment.

Überdeutlich wurde die Stimmungslage unter den Aktionären durch einen Antrag einer Aktionärin, Schadensersatzansprüche gegen Spitzenmanager in einer Sonderprüfung zu untersuchen, der nur äußerst knapp die Mehrheit verfehlte. Im Zuge ihres harten Kurswechsels will die Deutsche Bank Milliarden einsparen. Die operativen Kosten sollen bis 2020 um 3,5 Mrd. € sinken. Davon sollen 60 % durch Effizienzsteigerungen etwa über eine stärkere Digitalisierung der Geschäfte gelingen. Weitere 40 % will die Bank durch die Schließung von 200 Filialen und den Rückzug aus unprofitablen Bereichen erzielen. Das geht aus einem Strategiepapier der größten deutschen Bank hervor. Demnach werden von den derzeit rund 700 „blauen“ Niederlassungen bis zum Jahr 2017 bis zu 200 geschlossen. Nach wie vor ist es die auf den schnellen Profit ausgelegte Kultur der Londoner und New Yorker Investmentbanker, die die Bank prägt.

Stichworte: , , , , , , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

Kommentar schreiben