Heuschrecken zurück in Deutschland – Was steckt hinter der Attacke auf Ströer?

| 28. April 2016 | Kommentieren
Ströer

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Heuschrecken bei Ströer?

Von Hans Driesch

Köln – Ströer galt noch bis vor wenigen Tagen als eine Perle unter den deutschen Mittelständlern. Das Unternehmen aus Köln, das sich auf Außenwerbung spezialisiert hat und das im deutschen MDax gelistet ist, konnte in den letzten drei Jahren seinen Börsenkurs fast verzehnfachen. An zahlreichen Bushalte- und Straßenbahnhaltestellen in ganz Deutschland vermietet Ströer Plakattafeln, außerdem betreibt das Unternehmen Onlineportale wie wetter.info oder kino.de. Am vergangenen Donnerstag nun stürzte die Aktien wie aus heiterem Himmel um 30 Prozent ab. Der Grund dafür war eine extrem negative Beurteilung von Ströer durch den amerikanischen Hedgefonds-Manager Carson Block und dessen Unternehmen „Muddy Waters“ („Trübe Wasser“). Block hat sich auf sogenannte Leerverkäufe spezialisiert, mit denen Investoren auf fallende Kurse spekulieren. Bekannt wurde Block durch seine Analysen zu überbewerteten chinesischen Aktien, die in der Folgezeit tatsächlich massiv an Wert verloren. So hatte Block unter anderem die betrügerischen Machenschaften des chinesischen Unternehmens „Sino-Forest Corporation“ aufgedeckt.

Die Vorgänge um „Sino Forest“ gelten als Paradefall einer „Mantelspekulation“, bei der die börsennotierte juristische Hülle eines operativ nicht mehr wirkenden Unternehmens aufgekauft und von bestochenen Buchprüfern mit scheinbar wachsenden Gewinnen und Umsätzen gefüllt wird. Mit der Aufdeckung solcher Betrügereien erwarb sich Block einen legendären Ruf unter Investoren. Sein Vorgehen gegenüber Ströer ist aber dennoch mehr als fragwürdig. Mit großer Geste verkündete Block in einem Studio des Senders Bloomberg, dass das Unternehmen nicht das sei; „wofür es der Markt hält“, so habe Ströer beispielsweise Zahlen zum organischen Wachstum des Unternehmens für die Jahre 2014 und 2015 „substanziell zu hoch angegeben“ und sei entgegen eigener Angaben nicht imstande, „sich unterjährig aus Cash Flow und Barmitteln zu finanzieren“. Parallel zu diesem vernichtenden Vortrag fielen die Aktien von Ströer ins Bodenlose. Das Kölner Werbeunternehmen hat mittlerweile mit einer detaillierten eigenen Darstellung auf die Attacke von Block geantwortet, in der 15 einzelnen Vorwürfen glaubwürdig widersprochen wird. Außerdem kündigte Ströer an, mit rechtlichen Mitteln gegen „Muddy Waters“ vorgehen zu wollen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Berlin erklärte unterdessen, sich die Vorgänge um die Ströer-Aktie zwar routinemäßig anzusehen, zunächst aber keine Beanstandungen gegen das Vorgehen von Block zu haben, da dieser seine eigene Short-Position in Ströer-Aktien vor seiner Negativanalyse – und damit einen bestehenden Interessenkonflikt – publik gemacht habe. Der Anlegerschützer Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), wurde in einem Interview mit dem Netzportal meedia.de hingegen deutlicher. Tüngler forderte hier das Verbot von Hedgefonds, da diese „keine Mehrwerte schaffen, sondern Werte vernichten.“ Das System, mit dem gegen Ströer vorgegangen werde, nannte Tüngler „eine ganz klare Marktmanipulation“.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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