Vor Republikaner-Wahlkongress um Donald Trump: Realisiert sich das „House of Cards“-Szenario?

| 9. April 2016 | Kommentieren
Trump und seine dritte Ehefrau Melania bei einem Wahlkampfauftritt 2016, Foto: Marc Nozell

Trump und seine dritte Ehefrau Melania bei einem Wahlkampfauftritt 2016, Foto: Marc Nozell

Donald Trump

Von Hans Driesch

Cleveland – Der Wahlkonvent der Republikaner zur Wahl des Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten in den USA endet traditionellerweise mit einem Luftballon- und Konfettifeuerwerk, das auf die Delegierten niederregnet. Dieses Jahr scheint man sich auf Schlimmeres einzustellen: Die Stadt Cleveland im US-Bundesstaat Ohio, in der vom 18. bis zum 21. Juli der Nominierungsparteitag der Republikaner stattfindet, hat jüngst die Anschaffung von 2000 Schutzanzügen („riot-control suits“) für polizeiliche Sondereinsatzkräfte ausgeschrieben.

Der konservative republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hatte Mitte März vor Krawallen gewarnt, falls die Präsidentschaftskandidatur auf dem umkämpften Parteitag nicht an ihn fällt. Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern gilt nach der Niederlage Trumps bei den jüngsten Vorwahlen im US-Bundesstaat Wisconsin wieder als offen, da es nun als sehr unwahrscheinlich gilt, dass Trump die nötige Mehrheit von 1237 Delegiertenstimmen im Rahmen der US-Vorwahlen erhält. Das eigentlich äußerst seltene Ereignis einer sogenannten „Contested Convention“, also ein Nominierungsparteitag, bei dem keiner der Kandidaten mit einer Mehrheit der Delegiertenstimmen im Rücken in den Parteitag geht, wird so zunehmend wahrscheinlicher.

Bislang galt eine „Contested Convention“ als ein eher fiktives Szenario, das nur in der Fernsehserie „House of Cards“ oder dem Spielfilm „Der Kandidat“ eine Rolle spielte. Dieses Szenario kann aber durchaus Realität werden: Zwar müssen sich die Delegierten im ersten Wahlgang an das Wahlergebnis des Bundesstaats halten, der sie entsandt hat, sie werden aber im zweiten Wahlgang – sofern es einen solchen denn gibt – von ihrer Pflicht entbunden und können dann für einen beliebigen Kandidaten stimmen. Aus diesem Grund werden selbst dem noch im Rennen befindlichen Gouverneur von Ohio, John Kasich, immer noch Chancen für die Präsidentschaftskandidatur eingeräumt, obwohl er momentan, was die Zahl seiner Delegiertenstimmen angeht, abgeschlagen zu sein scheint. Kasich gilt als pragmatisch und als guter Integrator, weshalb er ein möglicher Kompromisskandidat wäre.

Bei der in London ansässigen Wettbörse Betfair setzen jedenfalls deutlich weniger Spieler auf einen Präsidentschaftssieg Trumps als noch vor einigen Wochen. Wettmärkte gelten mittlerweile vielen Beobachtern als besseres Prognoseinstrument als klassische Umfragen, da die Teilnehmer im Rahmen der „betting markets“ mit eigenem Geld auf einen bestimmten Wahlausgang spekulieren und ihre Prognose deshalb möglicherweise sorgfältiger abwägen. Bei der Präsidentschaftswahl vor vier Jahren sagte die Wettplattform Intrade das Ergebnis in 49 von 50 US-Bundesstaaten korrekt voraus, musste dann aber nach einer Klage einer US-Aufsichtsbehörde den Betrieb einstellen. Allerdings existieren in den Vereinigten Staaten immer noch kleinere politische Wettmärkte wie Predictit oder Iowa Electronic Market, auf denen der „Marktwert“ der verschiedenen Kandidaten ablesbar ist.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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