Im Gespräch mit dem Tierfotografen Alban Blaising

| 4. Juli 2016 | Kommentieren

Wo sich Wildkatze und Reh einen guten Morgen wünschen

Wildkatze, Copyright Alban Blaising

Wildkatze, Copyright Alban Blaising

Alban Blaising aus Lothringen ist ein vielseitiger Künstler; er musiziert, malt und beschäftigt sich mit der Tierfotografie – und um diese soll es hier gehen, denn die stimmungsvollen Aufnahmen heimischer Wildtiere sind sicher für jeden Tier- und Naturfreund von einigem Reiz. Wir sprachen mit ihm über die Jagd mit der Kamera.

Die Fragen stellte Ruedi Strese

Nortexa: Herr Blaising, beginnen wir mit einer ganz gewöhnlichen Frage: wie kamen Sie zur Tierfotografie?

Blaising: Ich habe stets die Natur und die Tiere geliebt, und nach und nach wuchsen in mir die Idee und der Wunsch, die mich umgebende Tierwelt abzubilden.

Nortexa: Welche Ausrüstung verwenden Sie?

Blaising: Ich habe mit einer einfachen Bridge begonnen, die stark zoomen konnte, doch die Qualität der Bilder ist oft enttäuschend. Derzeit habe ich ein Reflexgehäuse Nikon D3200 (Einsteigermodell, doch ich muß in die D7100 investieren) und das Sigma-Teleobjektiv 150-500 1:5-6.3 APO HSM; nicht sehr hell, aber eindeutig das günstigste dieses optischen Typs, das Ganze montiere ich auf ein einbeiniges oder dreibeiniges Stativ. Dann alles, was erlaubt, sich zu bewegen und sich in der natürlichen Umgebung einzufügen: Tarnkleidung (Hosen, Jacke, Handschuhe und Kapuze), außerdem Stiefel oder Wanderschuhe.

Nortexa: Wie ist die Region, in der Sie leben? Leben Sie nahe an der Natur oder unternehmen Sie weite Reisen, um Bilder zu machen?

Wildschwein, Copyright Alban Blaising

Wildschwein, Copyright Alban Blaising

Blaising: Ich komme aus Lothringen im Nordosten Frankreichs und habe seit jeher in einem Dorf im Département Meurthe-et-Moselle gelebt, von daher ist der Großteil meiner Ausflüge in der Nähe meines Heims. Es gibt viele Wälder, Äcker, Wiesen und Gewässer (Flüsse, Teiche) nur wenige Minuten von meiner Wohnung. Ich habe mich tatsächlich auf die Tierwelt meiner Umgebung konzentriert, ganz einfach, aber da ich nicht weit von den Vogesen entfernt bin, fahre ich manchmal in eine mehr bergige Gegend, zum Beispiel die eine Stunde Fahrtzeit zum Hohneck, um dort Gemsen zu beobachten.

Nortexa: Wie können wir uns einen solchen Tag vorstellen, wo Sie rausgehen, um Tiere mit der Kamera zu jagen?

Blaising: Oft gehe ich bei Sonnenaufgang an die Orte, ich kenne schon die Umgebung, wohin ich gehe und weiß, wo sich die Spuren der Präsenz von Tieren (Bewegung an der Vegetation, Bodenspuren, Kot) finden. Ich achte darauf, daß der Wind mir ins Gesicht weht, da sonst die Tiere natürlich meine Anwesenheit bemerken, und ich bewege mich so leise wie möglich und achte auf das kleinste Geräusch, das ich wahrnehme. Ich arbeite meist mit dem Ziel, so nahe wie möglich an das Tier heranzukommen, aber ich mache auch einige Pausen an strategischen Plätzen, auf die Aussicht hoffend, daß einige Dinge vor meinem Objektiv passieren werden.

Rehe, Copyright Alban Blaising

Rehe, Copyright Alban Blaising

Nortexa: Wenn Sie hinausgehen, bereiten sie sich auf die Begegnung mit einem bestimmten Tier vor, oder lassen Sie sich eher überraschen, wem Sie begegnen?

Blaising: Da ich oft die selben Orte aufsuche, kenne ich die Arten und die Territorien, die sie belegen, also weiß ich ungefähr, worauf ich stoßen werde, zum Beispiel gibt es in meiner Nähe ein großes Kornfeld, wo sich im Winter die Rehe treffen, derzeit im Juni gestatten die frisch gemähten Wiesen eher, einem Fuchs oder einer Wildkatze zu begegnen. Doch oft habe ich auch zufällige Begegnungen, als kleines Beispiel gab es einen Fuchs, den ich drei Wochen beobachtete, doch er zeigte sich nie dort, wo er sein sollte, also nahm ich mit leeren Händen den Ausgang, machte mich auf den Heimweg und stieß auf ein schönes kleines Rehkitz.

Nortexa: Welche Tiere würden Sie gerne einmal erwischen, doch haben es bislang nicht geschafft?

Blaising: Hirsche sind schwer zu bekommen und bislang sind die wenigen Fotos, die ich schießen konnte, nicht wirklich toll, genauso mit den Dachsen, die fast immer nachts rauskommen und so schwer zu fotografieren sind. Zudem gibt es die großen Karnivoren wie den Wolf, der begonnen hat, sich in meiner Region wieder anzusiedeln, oder den Luchs, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer es sein muß, diese Art von Tieren nur einige Sekunden in ihrer natürlichen Umgebung zu Gesicht zu bekommen.

Nortexa: Wenn Sie fotografieren, konzentrieren Sie sich da nur auf die Tiere, oder sehen Sie bereits ein Gesamtbild, wie eine Komposition?

Schwäne, Copyright Alban Blaising

Schwäne, Copyright Alban Blaising

Blaising: Ich versuche, eine Atmosphäre zu schaffen, indem ich die Elemente berücksichtige, die ich ein wenig meistern kann, wie das Licht (es ist immer noch notwendig, daß das Wetter mild ist und die Wolken ihre Zeit nicht damit verbringen, die Sonne zu verstecken) oder die Biotope. Nachdem man sich, was die Tiere angeht, vorsichtig einer guten Annäherung versichert hat, gibt es manchmal noch kurz Zeit, über die Ästhetik des Bildes nachzudenken, aber manchmal ist nur Zeit für ein oder zwei Schüsse, die zur positiven Überraschung oder zum Totalausfall werden können. Perspektivisch gibt es viel mehr an der Komposition eines Bildes zu arbeiten, doch es ist nicht die Technik, die ich am meisten schätze.

Nortexa: Welches waren die spannendsten Erlebnisse, die Sie mit wilden Tieren hatten?

Blaising: Ich hatte mich bei Sonnenaufgang alleine im Wald befunden mit einem Hirsch, der neben mir wie verrückt röhrte, doch war nicht in der Lage, ein gutes Bild zu schießen, da die dichte Vegetation alles verdeckte. Vor allem sind Begegnungen unvergeßlich, wie auf eine Ricke zu stoßen, die gerade dabei war, ihr Kitz zu säugen, einen Wurf von Jungen mehrere Wochen zu beobachten, einer Wildkatze zu begegnen, die ein sehr scheues Tier ist…

Nortexa: Gibt es andere Fotografen, die Sie besonders beeindruckend fanden und die einen Einfluß auf Ihre Arbeit hatten?

Blaising: Ich bin in allem, was ich mache, Autodidakt, deshalb denke ich nicht, daß ich von anderen Fotografen besonders beeinflußt bin, andererseits gibt es viele andere Künstler, deren Arbeit ich sehr schätze, zum Beispiel bin ich kürzlich auf die Seite von Walter Barthélemi gestoßen und er hat dort viele Bilder von Tieren, die ich besonders mag, wie die Wildkatze oder den Fuchs.

Junger Fuchs, Copyright Alban Blaising

Junger Fuchs, Copyright Alban Blaising

Nortexa: Kennen Sie den deutschen Schriftsteller Hermann Löns? Er war ein Jäger, Autor von Tiergeschichten und einer der Vordenker der Umwelt- und Tierschutzbewegung…

Blaising: Ja, ich habe sein Buch „Der Wehrwolf“, doch außer diesem Buch und einigen Allgemeinheiten weiß ich nicht viel vo ihm. Persönlich liebe ich die Arbeit des Schweizers Robert Hainard sehr, er hat sein ganzes Leben lang die Wildnis beobachtet, schöne Bücher und erhabene Skizzen.

Nortexa: Ich weiß, daß Sie auch gerne zeichnen, doch in völlig anderer weise, es sind mehr Horror- und Splatterthemen. Können wir von Ihnen in der Zukunft auch mit Gemälden oder Zeichnungen von Tieren rechnen?

Blaising: In der Malerei sind meine Lieblingsthemen die Geschichte und Folklore meiner Region (einige Gemälde der wichtigen Heiligen Lothringens wie St. Elophe, St. Oranne oder St. Nicolas) und im weiteren Sinne die alten europäischen Zivilisationen (indoeuropäisch oder früher) und ich lege meinen Schwerpunkt auf die düsteren Aspekte dieser Thematik. Was die Tiere angeht, denke ich nicht, daß ich Besseres zeichnen kann als die Realität, die ich fotografiere, auch wenn mein letztes Gemälde ein Portrait eines Hirsches ist, mit der Sonnensymbolik, die er repräsentiert.

Silberreiher, Copyright Alban Blaising

Silberreiher, Copyright Alban Blaising

Nortexa: Worte zum Abschluß…?

Blaising: Danke für dieses Interview, ich mache auch seit Jahren Musik und wir haben gerade das zweite Album meines Projekts Hercynia Silva mit einer Art von Rockmusik herausgebracht, kurz gefaßt, und ich habe für das Artwork dieses Albums mehrere meiner Tierfotografien verwendet, für weitere Informationen: https://www.facebook.com/HERCYNIASILVA/. Meine Tierfotografien finden sich auf Facebook unter „Alban Blaising – Photographie Animalière“.

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Kategorie: Allgemein, Im Gespräch

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