Im Gespräch mit E. Michael Jones

| 13. Juli 2016 | Kommentieren

“Wir leben jetzt alle in einer Gay-Disco”

E. Michael Jones während seines Referats, Foto: NORTEXA

E. Michael Jones während seines Referats, Foto: NORTEXA

Im Gespräch mit E. Michael Jones

Der US-amerikanische Publizist E. Michael Jones gehört zu den unbequemsten Denkern seines Landes und nimmt in seinen aus konservativ-katholischer Sicht vorgetragenen Analysen von Politik und Gesellschaft keinerlei Rücksicht auf politische Korrektheit. Selbst mit den heiligsten Kühen der Gegenwart wie Emanzipation, Schwulenbewegung und Multikulturalismus hat er wenig Mitleid. Eine allgemeine Sexualisierung der Gesellschaft sieht er als eines der Hauptübel unserer Zeit. Nortexa stellte ihm einige Fragen zu den Hintergründen.

Das Gespräch führte Ruedi Strese

Nortexa: Herr Jones, Sie haben vor etwa 40 Jahren in Deutschland gelebt. Nun waren Sie wieder hier zu Besuch. Was hat sich (abgesehen vom Fall der Mauer) geändert?

Jones: Als ich 1973 nach Deutschland kam, war es noch Nachkriegszeit in Deutschland. Das war auch der Fall, als ich 1975 nach Berlin kam. Ich war wieder in Deutschland im Jahr 1990, kurz nach der Wende. Zu dieser Zeit hatte die Bundesrepublik ihren Höhepunkt erreicht. Wohlstand war überall zu sehen, besonders in den sanierten Staaten des Südens. Städte wie Ettlingen und Durlach in Badem-Württemberg waren zwar ganz neu, aber im traditionellen Sinne wiederaufgebaut und sofort als deutsche Städte zu erkennen. Als ich im Sommer 2016 wieder nach Berlin kam, habe ich etwas ganz Anderes gesehen. Die Republik ist jetzt vorbei, und Berlin ist jetzt die Hauptstadt vom vierten Reich, dessen Motto Berlins schwuler Bürgermeister klar zum Ausdruck brachte, als er sagte, “Wir sind arm, aber sexy.” Das vierte deutsche Reich ist, wie ich in meinem Vortrage gesagt habe, auf zwei Pfeiler gegründet: sexuelle Befreiung und niedrige Löhne. Helmut Schmidt hat die Abschaffung des “Fordismus” im Jahr 1975 angekündigt. Bürgermeister Wowereit hat’s vollbracht. Wir leben jetzt alle in einer Gay-Disco. Amerika ist jetzt eine Gay-Disco, und das vierte deutsche Reich, also Europa, ist eine Filialstelle davon.

Nortexa: Eine Ihrer Thesen ist die Unvereinbarkeit von Demokratie und Kapitalismus als Wirtschaftsform. Das wird Befürwortern der gegenwärtigen politischen Systeme des Westens seltsam erscheinen…

Jones: Natürlich, weil die Oligarchen eine Menge Mühe und Geld ausgegeben haben, um ihre Position durchzusetzen. Diese Position kann man klar und deutlich in Michael Novaks 1982 erschienenem Buch “The Spirit of Democratic Capitalism” lesen. Meine Position erscheint seltsam, weil wir immer noch im geistigen Schatten der Reagan/Thatcher-Jahre stehengeblieben sind. Wir haben immer noch nicht erkannt, daß diese Jahre, mit den Worten von Michael Hudson, “eine der größten oligarchischen Machtübernahmen in der Weltgeschichte” waren. Die philosophischen Kategorien, die Lakaien wie Michael Novak damals schufen, beherrschen die Diskussion immer noch.

Nortexa: Vorausgesetzt, das gegenwärtige Wirtschaftssystem in Deutschland ist kapitalistisch – war dann das Ende der DDR gar kein Sieg der Demokratie?

Jones: Nein, im Gegenteil. Es war der Sieg des Kapitalismus über die Demokratie durch die Verbreitung des Wuchers. In seinem Lehrbuch der Nationalökonomie definiert Heinrich Pesch Kapitalismus als staatlich begünstigten Wucher.

Nortexa: 25 Jahre nach dem Mauerfall hat Deutschland nicht die von Bundeskanzler Kohl versprochenen „blühenden Landschaften“, dafür werden kleine Kinder bereits an den Schulen über Sadomasochismus und Analverkehr unterrichtet. Was ist hier passiert?

Jones: Die Erklärung dafür ist, wie ich in meinem Vortrag gesagt habe, Michel Foucaults Teufelspakt. Foucault hat die linke Bewegung getötet durch seine morbide Fixerung auf schwulen Sex. Foucault hat die im klassischen Marxismus ausgedrückte Kritik der kapitalistischen Wirtschaftsform aufgegeben im Austausch für die von ihm propagierte Legitimation des Engagements in unbegrenztem perversem Sex. Foucault zog eine sexuelle Scheinwelt der politischen Wirklichkeit vor. Was er an unbegrenzten perversen sexuellen Freiheiten bekam, mußte er mit dem Verlust politischer Macht büßen.

Nortexa: Ihrer Ansicht nach nutzt die Sexualisierung der Gesellschaft zuerst den Finanzoligarchen. Inwiefern? Welche Rolle spielt dabei speziell die Frühsexualisierung von Kindern?

Jones: Wilhelm Reich hat die politischen Vorteile, die aus der Sexualisierung von Kindern kommen, klar in seinem Buch über “Die Massenpsychologie des Faschismus” dargestellt. Reich war gleichzeitig Kommunist und Freudianer, und als solcher sah er, wie Sexualität als politische Waffe angewendet werden konnte. Das ist tatsächlich der Fall gewesen in den linken Kommunen der 60er Jahre. Daniel Cohn-Bendit sprach über seine Erfahrungen mit Kindersex in seinen Memoiren. Wenn ein Kind sexuelle Gewohnheiten wie Onanieren lernt, dann fällt es ihm schwer, an Gott zu denken. Das schwächt Organisationen wie die Katholische Kirche, die Reich als seinen Hauptgegner im Kulturkampf der 30er Jahre in Wien sah.

Nortexa: Sie haben Pornographie als Waffe bezeichnet. Wie ist das zu verstehen? Nennen Sie doch bitte einige Beispiele!

E. Michael Jones und Nortexa-Redakteur Ruedi Strese

E. Michael Jones und Nortexa-Redakteur Ruedi Strese

Jones: 2002 haben die Israelis bei ihrer Invasion von Ramallah alle palästinensischen Fernsehsender übernommen und von da aus Pornographie ausgestrahlt, um den dortigen Intifada Aufstand zu beenden. CIA-Agent Frank Carlucci hat etwas Ähnliches in Portugal im Jahr 1974 nach dem Sturz der Salazar-Regierung getan. Bei der amerikanischen Invasion von Panama 1989 wurde Pornographie auch als Psychowaffe angewendet. Pornographie macht blind. Pornographie blendet den Gegner mit seinen eigenen Leidenschaften.

Nortexa: Karl Marx bezeichnete die Religion als „Opium des Volkes“. Mittlerweile ist die Religion weitgehend verschwunden, das Volk ist aber nicht freier geworden…

Jones: Um frei zu sein, muß der Mensch moralisch handeln. Die Kirche schützt die Moral. Deshalb ist es klar: je weniger Religion, desto weniger Freiheit.

Nortexa: Ein neuer Trend ist Gender Mainstreaming. Auch eine neue Qualität, weil hier nicht nur die sexuelle Präferenz einer Person manipuliert wird, sondern die Persönlichkeit selbst in ihren Grundfesten angegriffen wird, indem die biologischen Geschlechter in Frage gestellt werden. 99% der Menschen würden die hierbei vertretenen Theorien als Irrsinn ablehnen, trotzdem setzt sich „Gender Mainstreaming“ immer mehr durch. Wie kommt so etwas zustande?

Jones: Durch “social engineering.”

Nortexa: Immer wieder treten erschütternde Fälle organisierten Kindesmißbrauchs bei den Mächtigen zu Tage. Der Skandal um Jimmy Savile in England, der Fall DuTroux in Belgien, der Sachsensumpf in Deutschland. Hollywood scheint ein gewaltiger Kinderschänderverein zu sein, wenn man bestimmten Berichten Glauben schenkt. Doch vielleicht ist all dies nur die Spitze des Eisbergs. Welche Rolle spielen Ihres Erachtens pädophile Kreise in den oberen Etagen von Medien und Politik?

Jones: Pädophilie ist das letzte Tabu. In den Kreisen, die Sie erwähnt haben, kann sie als Erpressungsmittel genutzt werden.

Nortexa: Wohin soll die Reise nach dem Wunsch der Interessengruppen hinter der Hypersexualisierung gehen? Was sind die Aussichten für die Zukunft?

Jones: Die sogennante sexuelle Befreiung hat immer als ein Mittel der politischen Kontrolle gedient. Das habe ich in meinem Buch “Libido Dominandi: Sexual Liberation and Political Control” klar dargestellt. Das Problem aus Sicht der Oligarchen ist, daß das “social engineering” nur effektiv ist, wenn es getarnt bleibt. Wir sind alle schwach, wenn es um unsere sexuellen Triebe geht, aber sobald man sich bewußt wird, daß es soetwas wie social engineering gibt, und daß sexuelle Befreiung eine wichtige Abteilung davon ist, dann verlieren diese Methoden ihre Macht über uns.

Nortexa: Zum Schluß die berühmte leninsche Frage: was tun?

Jones: Wir sollen die drei Weisen aus dem Morgenland nachahmen und dem Stern des Logos folgen, denn, wie es im Johannesevangelium steht, Logos ist Gott. Am Anfang war das Wort. Am Anfang war Logos. Johannes widerspricht hier Faust, der, nach Goethe, glaubte, “Am Anfang war die Tat.” Dieser Teufelspakt, der auf einem Willen zur Macht gegründet ist, hat im Lauf der letzten zwei Jahrhunderte total versagt. Sowohl Foucault als auch die ISIS-Kämpfer in Syrien glauben, daß der Wille der Vernunft überlegen ist. Wir sind weise Männer, weil wir im Gegenteil glauben, daß wir unseren Willen dem Logos unterordnen müssen.

Nortexa: Herr Jones, wir danken für das Gespräch!

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Kategorie: Allgemein, Im Gespräch

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