Im Gespräch mit Franz Heidelsberger, Geschäftsführer Geothermie der FG-Unternehmensgruppe

| 25. Oktober 2016 | Kommentieren

Wie ist es um Wolfgang Hageleits Forever Green-Gruppe bestellt?

Foto: fg-geothermie.de

Foto: fg-geothermie.de

Von Friedrich Walstadt

Regensburg – Die Forever Green-Gruppe mit Sitz in Regensburg bezeichnet sich selbst als Spezialist im Bereich der Erneuerbaren Energien, der Entwicklung von Projekten in diesem Sektor sowie der Strukturierung und Entwicklung von Finanzierungsmodellen und -produkten. Die Geokraftwerke.de GmbH ist eine 100%ige Tochter der FG Geothermie GmbH und wurde am 29.10.2010 in Regensburg gegründet, um Kapital für die wirtschaftliche Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere die Errichtung geothermischer Kraftwerke, aufzubringen. Hauptgesellschafter der Forever Green-Holding ist Herr Wolfgang Hageleit (Nortexa berichtete bereits früher: http://www.nortexa.de/die-forever-green-gruppe-des-wolfgang-hageleit-sammelt-weiter-kapital-fuer-geothermiekraftwerke/). Nachdem diesen Sommer boerseARD mit Blick auf Geothermieprojekte kritisch über ausbleibende Zinszahlungen der Forever Green an die Anleger berichtete und Vermutungen über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens anstellte, sprach Nortexa mit dem Geschäftsführer im Bereich Geothermie, Franz Heidelsberger.

Nortexa: Sehr geehrter Herr Heidelsberger, vorab ganz allgemein gefragt, welches Zukunftspotential steckt in der Geothermie im bayerischen Raum?

Franz Heidelsberger: Das südbayerische Molassebecken ist aufgrund der großen Thermalwasservorkommen nach einhelliger Expertenmeinung das beste Gebiet in ganz Mitteleuropa für die Hydrothermale Geothermie. Die Temperatur ist etwas höher als im weltweiten Durchschnitt, die vorhandenen Vorkommen sind riesig und die wasserführende Gesteinsschicht ist sehr durchlässig und nicht zuletzt haben wir hier in Bayern eine hervorragende Wasserqualität, die sich in der Regel im Bereich von Trink- oder Heilwasser bewegt. Nicht umsonst befinden sich 22 von 34 laufenden deutschen Anlagen in Südbayern. Auch von den geplanten 30 Anlagen sind es 16, die in Bayern entstehen sollen. Die von der Bayerischen Regierung anvisierten Ziele von 300 MW an elektrischer Leistung werden nur ein erster Schritt in der Erschließung sein und es ist durchaus möglich, dass die Grundlast – der Teil des Stromverbrauchs, der rund um die Uhr anfällt – in Bayern langfristig durch eine Kombination aus Wasserkraft, Biomasse und Geothermie abgedeckt werden kann.

Nortexa: Zu den Anlageprodukten Geothermie Portfolio N Amerang, Geothermie Portfolio N Schnaitsee, Geothermie Portfolio N II Schnaitsee: Wurde zu Zeichnungsschluss bei allen drei Anlageprodukten das erwünschte Kapital eingeworben?

Franz Heidelsberger: Wir waren hier erfolgreich und es wurde sogar etwas mehr als das erwünschte Kapital eingeworben. Für etwas Verwirrung sorgte hier allerdings, dass die Emissions-Volumina der einzelnen Produkte deutlich höher angesetzt waren. Dies war eine reine Vorsichtsmaßnahme, falls größere Investoren – wie in der Vergangenheit geschehen – über ein derartiges Produkt zeichnen wollen.

Nortexa: Wie geht es mit dem Kraftwerke Portfolio Nr. 1 weiter? Der Vertrieb, hieß es, wurde eingestellt, da der Verkaufsprospekt aufgrund eines Nachtrags auf den aktuellsten Stand gebracht werde. Bis wann ist diese Aktualisierung abgeschlossen, und was dann?

Franz Heidelsberger: Es wird hier nach derzeitigem Stand beim Kraftwerke Portfolio Nr. 1 keine Aktualisierung und damit auch kein weiteres Angebot geben. Richtig ist, dass ein Prospektnachtrag erstellt werden sollte, sich in der Zwischenzeit aber auch herausgestellt hat, dass die Verzinsung des Kraftwerke Portfolio Nr. 1 aufgrund der immer weiter sinkenden Zinsen an den Märkten zusehends für Verwirrung und erhöhten Diskussionsbedarf sorgte. Zum anderen sind wir natürlich gehalten, die Finanzierung der Projekte möglichst kostengünstig zu gestalten. So war es nur eine logische Konsequenz, hier neue Produkte auf den Markt zu bringen, mit angepassten Zinsen, einer etwas kürzeren Mindestlaufzeit und neuerdings – im Geothermie Portfolio Nr. 3 der Green Power GmbH – auch mit mehr Flexibilität. Wir versuchen, in der Gestaltung von neuen Anlagemöglichkeiten die Wünsche unserer Anleger, die wir aus einer Vielzahl von Gesprächen kennen, so weit als möglich berücksichtigen.

Nortexa: Was war der Anlaß, das zweite Schnaitsee-Portfolio im Vergleich zu seinem Vorgängerprodukt mit halbierter Laufzeit, aber doppelter Verzinsung aufzulegen? Welche fundamentalen Faktoren erlauben es, das Produkt für Anleger so lukrativ auszulegen, oder bedingt dies die Risikostruktur?

Franz Heidelsberger: Wie bereits oben erwähnt führte die vermehrte Diskussion über die Höhe der Verzinsung dazu, dass man im Falle von Schnaitsee zwei verschiedene Wege gegangen ist. Es sind einfach zwei völlig unterschiedlich Ansätze, mit denen wir versucht haben, die Anlegerinteressen abzudecken. Zum einen ein Produkt für den Anleger, der langfristig an einer Gewinnbeteiligung partizipieren möchte und bereit ist, dafür eine niedrigere Grundverzinsung zu akzeptieren, während das zweite Angebot etwas klassischer war, mit kürzerer Laufzeit und höherer Festverzinsung aber ohne Gewinnbeteiligungs-Komponente.

Nortexa: Wann ist mit einer Inbetriebnahme des Kraftwerks in Schnaitsee zu rechnen und können allgemein noch rechtzeitig ausreichend Einnahmen generiert werden, um ggf. Anlegereinlagen zurückzahlen zu können, falls diese zum frühestmöglichen Termin geltend gemacht würden?

Franz Heidelsberger: Aufgrund der aktuellen Planung gehen wir davon aus, dass das Kraftwerk in Schnaitsee spätestens Anfang 2020 ans Netz gehen wird. Damit sind dann die Rückzahlungsansprüche für Ende 2020 gesichert, selbst wenn alle Anleger ihre Anlage zum frühestmöglichen Termin auflösen würden. Aus Gesprächen mit unseren Anleger wissen wir aber, dass viele an einer Verlängerung Ihrer Anlage – speziell in diesem Zinsumfeld – interessiert sind.

Nortexa: Laut boerse.ARD erhalten die Anleger der Forever Green-Gruppe nach wie vor keine Zinsen, da die wirtschaftliche Lage des Geothermie-Unternehmens die Zahlung der in Aussicht gestellten Rendite nicht erlaubt. Dennoch heißt es, ist die Unternehmensgruppe bestrebt weiter Anlegerkapital einzusammeln. Was macht Sie für Kapitalgeber attraktiv?

Franz Heidelsberger: Es handelt sich bei den angesprochenen Stundungen der Zinsen nur um Anleger der Geokraftwerke.de GmbH. Auch hier arbeiten wir mit Hochdruck daran, die durch unseren Mitgesellschafter in Kirchweidach verursachten Verzögerungen wieder wett zu machen. Wir haben hier ein wunderbares Projekt, das seit Jahren schlecht geredet wird, obwohl es sich aufgrund der Nutzerstruktur um eines der attraktivsten Projekte in Deutschland handelt. Wir werden dafür sorgen, dass sich das sobald als möglich auch in den Einnahmen widerspiegelt. Völlig unabhängig davon haben wir auch noch andere Projekte, die bereits weit fortgeschritten sind und weiter entwickelt werden wollen. Was würden Sie, der Markt und nicht zuletzt unsere Anleger von uns halten, wenn wir bei Schwierigkeiten in einem unserer Projekte alles einfach hinwerfen und aufgeben würden? Ich denke, dass die Anleger sehen können, dass wir von unserer Idee und unseren Projekten überzeugt sind und alles tun, um die Dinge zum Erfolg zu führen. Das macht uns attraktiv.

Nortexa: Wie läuft das Projekt des Fernwärmenetzes für die Gemeinde Kirchweidach, welche Bauabschnitte sind abgeschlossen? Auf wie viele Anschlussverträge kann inzwischen in Kirchweidach verwiesen werden?

Franz Heidelsberger: Das Wärmeprojekt in der Gemeinde läuft anscheinend recht gut, nachdem das Projekt letztes Jahr den „Global Award für das innovativste Fernwärmeprojekt weltweit“ erhalten hat. Das Netz ist noch in Bau und es würde wohl den Rahmen sprengen, hier jetzt einzelne Straßen aufzuzählen. Auch bei den Verträgen können hier keine exakten Zahlen nennen, da die Gemeinde Kirchweidach Eigentümer und Betreiber des Fernwärmenetzes ist. Es sollen aber bereits knapp 300 Verträge mit Wärmeabnehmern bestehen und bis Ende 2017 erwartet man im vorläufigen Endausbau etwas mehr als 400 Wärmekunden in der Gemeinde.

Nortexa: Herr Heidelsberger, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch für Nortexa führte Friedrich Walstadt.

Stichworte: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Im Gespräch

Kommentar schreiben