Internationale Indizes: Brasilianischer Bovespa liegt 2016 vorne

| 14. April 2016 | Kommentieren

BovespaBrasilianischer Bovespa

Von Hans Driesch

Brasilia – Wer einen Blick auf die Jahresveränderung internationaler Indizes wirft, der erlebt eine faustdicke Überraschung: Ausgerechnet das in einer Dauerkrise befindliche Brasilien mit seinem Aktienindex Bovespa liegt 2016 vorne, wenn man die Entwicklung seit Jahresanfang betrachtet. Seit dem 1. Januar 2016 konnte der brasilianische Leitindex schon fast 40 Prozent zulegen. Das in einer Dauerrezession befindliche Brasilien mit seinem unruhigen politischen Umfeld galt zu Beginn des Jahres sicherlich nicht als Favorit im Rennen um die beste Performance bei den Länder-Indizes. Die Anleger scheinen aber zunehmend auf eine Absetzung der sozialdemokratischen Staatschefin Dilma Roussef zu setzen, der die schwerste Wirtschaftskrise Brasiliens seit Jahrzehnten angelastet wird und die sich am kommenden Sonntag einem Amtsenthebungsverfahren im brasilianischen Parlament stellen muss.

Ein weiterer Grund für den Höhenflug der brasilianischen Börse ist das wiedererwachte Interesse an Rohstoffen, wovon der brasilianische Index mit seiner hohen Gewichtung von Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen natürlich profitiert. Eines der wichtigsten Unternehmen im brasilianischen Aktienindex ist beispielsweise der Bergbauriese Vale, der neben Rio Tinto und BHP Billiton zu den drei größten Bergbauunternehmen der Welt zählt und der mit einem Weltmarktanteil von 35 Prozent der größte Eisenerz-Exporteur der Welt ist. Ein weiteres Schwergewicht im brasilianischen Index ist das halbstaatliche Ölunternehmen Petrobras, dessen Stärken in der Offshore-Ölförderung liegen und das eine der weltweit größten Schwimmflotten von Ölplattformen unterhält.

Die gute Entwicklung brasilianischer Investments wurde zuletzt durch das Erstarken der brasilianischen Währung Real gefördert, die seit Mitte März um 10 Prozent gegenüber dem US-Dollar zulegen konnte und auch gegenüber dem Euro an Wert gewann. Investitionen in den brasilianischen Aktienmarkt sind auch für deutsche Anleger über sog. Schwellenländer Exchange-Traded-Funds möglich, die den örtlichen Aktienindex inklusive aller Indexumstellungen abbilden. Wer allerdings tatsächlich in einen Brasilien-ETF investiert, der tätigt damit eine sehr spekulative Investition, denn er nimmt damit ein hohes Klumpenrisiko wegen der hohen Gewichtung an Rohstofftiteln in Kauf und geht zusätzlich ein Währungsrisiko ein.

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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